Vontobel steigert Reingewinn 2016 deutlich - Spürbarer Fondsmanager-Abgang

(Meldung durchgehend ergänzt) - Die Bank Vontobel hat im Geschäftsjahr 2016 den Reingewinn deutlich gesteigert, wobei das Institut von dem Verkauf seines Anteils am Versicherer Helvetia profitieren konnte. Der Abgang eines New Yorker "Star-Fondsmanagers" im vergangenen Frühling hat jedoch Spuren hinterlassen und zu einem spürbaren Abfluss von Geldern geführt. Die Aktionäre erhalten eine höhere Ausschüttung von 2,00 CHF (VJ 1,85 CHF) aus einer ordentlichen Dividenden von 1,90 CHF und einer Sonderdividende von 0,10 CHF.
08.02.2017 09:30

Der Konzerngewinn für 2016 erhöhte sich um 47% auf 264,4 Mio CHF, wie Vontobel am Mittwoch mitteilte. Auf bereinigter Basis resultierte noch ein Gewinnwachstum um 12%. Aus dem im November vorgenommenen Verkauf des Helvetia-Anteils erzielte die Bank einen Erlös von 91 Mio CHF, dagegen belasteten verschiedene Einmal-Kosten.

ABFLUSS WEGEN QUALITY GROWTH

Die Netto-Neugelder ausserhalb der New Yorker "Quality Growth-Boutique" betrugen insgesamt 5,1 Mrd CHF, nachdem im Jahr 2015 noch Neugelder von 8,0 Mrd CHF zugeflossen waren. Dagegen kam es in der auf Anlagen in Entwicklungsländern spezialisierten Boutique 2016 zu Abflüssen von 15,7 Mrd CHF. Ein grosser Teil erfolgte in der Folge des Abgangs des "Star Fondsmanagers" Rajiv Jain im März. In der zweiten Jahreshälfte sei aber auch eine Verschiebung des Anlagefokus der Investoren zu spüren gewesen, sagte CEO Zeno Staub an einer Telefonkonferenz.

Die betreuten Kundenvermögen (AuM) lagen per Ende Jahr bei 155,3 Mrd CHF (VJ 147,8 Mrd) dennoch etwas höher als vor Jahresfrist. Einschliesslich der Custody-Vermögen stiegen die Kundenvermögen damit um 4% auf einen neuen Höchstwert von 195,4 Mrd CHF.

BETRIEBSERTRAG GESTEIGERT

Insgesamt verbesserte das Institut den Betriebsertrag um 9% auf 1,08 Mrd CHF. Der Geschäftsaufwand ging im gleichen Zeitraum leicht auf 760 Mio CHF (-1%) zurück.

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Vontobel die Erwartungen beim Ertrag und beim Gewinn übertroffen. Von AWP befragte Experten hatten im Vorfeld der Zahlenpublikation im Durchschnitt den Betriebsertrag mit 1,03 Mrd CHF erwartet und den Reingewinn bei 249 Mio CHF geschätzt. Der Neugeldabfluss war von den Experten mit -6,8 Mrd CHF allerdings geringer erwartet worden. Die Dividende war mit 1,96 CHF im Schnitt etwas tiefer erwartet worden.

PROFITABLES ASSET MANAGEMENT

Weiterhin verdiente die Bank Vontobel vor allem im Asset Management, wo der Vorsteuergewinn um 18% verbessert werden konnte. Positiv habe sich bereits die verstärkte Partnerschaft im Asset Management Geschäft mit Raiffeisen ausgewirkt, betonte Vontobel.

Die im vergangenen Jahr von der Raiffeisen-Gruppe übernommene Asset Managerin Vescore soll weiterhin bis ins Jahr 2018 zum Gewinn beitragen. Im Jahr 2016 betrugen die Integrationskosten insgesamt 12,4 Mio CHF. Auch im laufenden Jahr sollen weitere Kosten anfallen: Diese würden in der Höhe von 7-9 Mio CHF erwartet, sagte Finanzchef Martin Sieg. Mit der Transaktion flossen Vontobel 7,9 Mrd CHF an verwalteten Vermögen zu.

STEUERSTREIT MIT DEUTSCHLAND

In der Vermögensverwaltung für private Kunden erhöhte das Institut den Vorsteuergewinn um 3%. Der Neugeldzufluss im Wealth Management belief sich auf 2,2 Mrd oder 5,3% der Vermögen, was über dem Zielband von 3-5% lag. Auch im laufenden Jahr will Vontobel von der Konsolidierung im Schweizer Markt profitieren und schliesst auch Akquisitionen nicht aus.

In der Auseinandersetzung mit Deutschland um unversteuerte Kundenvermögen seien die Gespräche mit den Behörden in Nordrhein-Westfalen bereits soweit fortgeschritten, dass man eine Rückstellung habe bilden können, sagte Staub. Die Belastung betrug 2016 15,9 Mio CHF, davon waren 13,4 Mio CHF Rückstellungen, wie Finanzchef Sieg präzisierte.

NEUE ZIELE IM AUGUST

Die ersten Wochen des laufenden Geschäftsjahres 2017 hätten trotz positivem Start in den Januar gezeigt, dass es kein einfacheres Jahr werde, heisst es in der Mitteilung mit Verweis auf die politischen Entwicklungen und die Zinssituation. Viele Kunden verhielten sich weiterhin "sehr zurückhaltend". Dennoch werde Vontobel an seinem Kurs festhalten und "Schwung aufnehmen für eine neue Phase starken profitablen Wachstums."

Mit dem Jahresergebnis habe Vontobel die bis 2017 geltenden Mittelfristziele erreicht, betonte CEO Staub. Die neuen Mittelfrist-Ziele für die Periode bis 2020 will das Unternehmen nun in den nächsten Monaten erarbeiten und im August kommunizieren.

tp/cp

(AWP)