Vontobel übernimmt Vescore von Raiffeisen - Ausbau des Asset Managements

(Zusammenfassung)
30.06.2016 12:05

Zürich (awp) - Die Raiffeisen-Gruppe und die Bank Vontobel rücken wieder näher zusammen. Vontobel erwirbt die Vermögensverwaltungstochter Vescore von Raiffeisen zu einem nicht genannten Preis. Sie erwirbt damit betreute Kundenvermögen im Umfang von 15 Mrd CHF und baut ihr Geschäft mit nachhaltigen und mit quantitativen Anlagen aus. Gleichzeitig verstärken die beiden Institute ihre langjährige Partnerschaft, die zeitweise unter Zwistigkeiten gelitten hatte.

"Wir sind glücklich, dass wir die Kooperation mit Raiffeisen ausbauen und Vescore in unser Asset Management integrieren können", sagte Vontobel-CEO Zeno Staub anlässlich einer Medienkonferenz am Donnerstag. Die industrielle Logik spreche für die Übernahme, hinter der alle Entscheidungsträger von Vescore stehen würden, ergänzte Axel Schwarzer, Leiter Vontobel Asset Management.

SPRUNG NACH VORNE IN DEUTSCHLAND

Vontobel erwirbt ein Unternehmen, dessen Tätigkeiten die Bereiche nachhaltige Anlagen sowie quantitative Investments und fundamentale Aktienstrategien umfasst. Mit 190 Beschäftigten, verteilt über Standorte in der Schweiz, Deutschland, Wien und Riga betreut Vescore 15 Mio CHF an Kundengeldern. Durch die Akquisition steigen die betreuten Vermögen der Vontobel-Gruppe in der Schweiz insgesamt um 12% auf 64 Mrd CHF und in Deutschland gar um 78% auf 16 Mrd CHF. Eine weitere gute Nachricht sei, dass Vontobel durch die Übernahme die Produktion in Deutschland dazugewinne, ergänzte Staub.

Die Transaktion, deren Abschluss für das dritte Quartal 2016 angestrebt wird, ist mit einmaligen Kosten bis zu 25 Mio CHF nach Steuern 2016/17 verbunden. Die Kosten dürften die Kapitalquote von Vontobel um 1-2 Prozentpunkte belasten. Allerdings rechne er auch mit hohen Synergien, die sich durch die Ausweitung des globalen Vertriebsnetzes der Vontobel-Gruppe und der skalierbaren operativen Plattform ergäben, sagte CFO Martin Sieg Castagnola. Beziffern wollte er diese Synergien indes nicht. Keine konkreten Anworten gab das Vontobel-Management auch auf die Frage, ob es im Zuge der Integration auch zu einem Stellenabbau bei Vescore kommen werde.

Die Bruttomarge bei Vescore sei tiefer als bei Vontobel Asset Management aufgrund der Ausrichtung auf institutionelle Kunden, führte der CFO weiter aus. Die Akqusition werde unter Nutzung vorhandener Synergien im 2018 aber gewinnbringend sein. Finanziert wird die Akquisition vollständig durch Eigenmittel.

AUSBAU DER PARTNERSCHAFT ÜBER 2020 HINAUS

Gleichzeitig mit dem Erwerb von Vescore vertiefen Vontobel und Raiffeisen auch ihre Partnerschaft im Asset Management. Die am 9. Februar 2016 vereinbarte weitere Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen bis Ende 2020 wird nun über das Datum hinaus weitergeführt. In dieser Parternschaft leistet Vontobel die Produktentwicklung und -verwaltung, während sich Raiffeisen auf die Kundenbetreuung und -beratung im Anlagegeschäft fokussiert

In der Beziehung von Raiffeisen und Vontobel ist die Vescore-Übernahme die aktuellste Episode einer langen Vorgeschichte: Seit 2004 arbeitet die Raiffeisen-Gruppe eng mit Vontobel zusammen. Zu Konflikten kam es 2012, als Raiffeisen einen Teil der St. Galler Privatbank Wegelin übernahm und unter dem Namen Notenstein als Tochter weiterführte. Dies stellte die Partnerschaft mit Vontobel auf die Probe. Zur Schlichtung die Streitigkeiten wurde in der Folge ein Schiedsgericht angerufen. Schliesslich fanden die beiden Partner im Februar dieses Jahres in einer neuen Vereinbarung wieder zusammen.

Der Marktteilnehmer reagierten am Donnerstag wohlwollend auf die Neuigkeiten. Die Vontobel-Valoren legen in einem insgesamt schwächer tendierenden Gesamtmarkt bis gegen 11.50 Uhr 4,5% auf 42,75 CHF (bisheriges Tageshoch: 42,90 CHF) zu. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden schon Titel fast in der Höhe eines druchschnittlichen Tagesvolumens gehandelt. Der Gesamtmarkt gemessen am SPI verliert derweil 0,1%. Analysten begrüssen sowohl die Akquisition, die strategisch Sinn mache, als auch die Festigung der Kooperation der beiden Institute. Letztere begrabe die "seit Sommer 2014 grassierende Aufregung um allfällige Ertragseinbussen ab 2017", hält dazu die ZKB fest.

sig/tp

(AWP)