Vorerst keine billigen Generika für Hepatitis-Medikament Sofosbuvir

München (awp/sda/afp) - Der Patentstreit um das sehr teure, aber auch hochwirksame Heptatitis-C-Medikament Sovaldi Sofosbuvir ist weitgehend zugunsten der Herstellerfirma Gilead Sciences ausgegangen. Die Organisation Ärzte der Welt hatte das Patent angefochten, weil die Herstellerfirma den Preis bestimmen kann.
05.10.2016 15:45

Das Europäische Patentamt (EPA) entschied am Mittwoch in München, dass das Patent für den Wirkstoff Sofosbuvir in ursprünglicher Form zwar nicht mehr aufrecht erhalten werden könne, in abgeänderter Form aber schon.

Die Mediziner von Ärzte der Welt wollten mit ihrem Einspruch gegen das Patent erreichen, dass andere Firmen kostengünstigere Nachfolgepräparate, so genannte Generika, herstellen können.

Bislang kostet eine Tablette mit dem Wirkstoff Sofosbuvir 600 Euro. Experten beziffern die Behandlungskosten für eine zwölfwöchige Behandlung mit dem Medikament auf 42'000 Euro. Allein in Deutschland leiden nach Angaben der Ärzte-Organisation rund 270'000 Menschen an Hepatitis.

Die Vereinigung kritisierte am Mittwoch, dass das EPA das Patent mit Auflagen aufrechterhielt. Die Entscheidung sei "nicht ausreichend, um die Krankenversicherungssysteme europaweit zu entlasten" erklärte der Direktor von Ärzte der Welt Deutschland, François de Keersmaeker. Die Organisation forderte die Regierungen in Europa auf, die Produktion billiger Generika nun über Zwangslizenzen zu ermöglichen.

(AWP)