VW hebt operative Ergebnisprognose - Diesel belastet unterm Strich

(Ausführliche Fassung) - Der Volkswagen-Konzern wird bei seiner Ergebnisprognose dank des guten Laufs in China und bei teureren Autos optimistischer. Allerdings stellte Finanzchef Frank Witter am Freitag den angehobenen Ausblick unter die Bedingung, dass Sondereinflüsse herausgerechnet werden. Mit einem solchen Schritt war von Finanzanalysten gerechnet worden.
27.10.2017 10:27

Im dritten Quartal fiel das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern erneut besser aus als erwartet. Doch unter dem Strich kam den Konzern die jüngste Milliardenbelastung wegen der Dieselaffäre wieder teuer zu stehen.

Die Anleger sahen mehr Licht als Schatten im Zahlenwerk und schickten die Vorzugsaktie von Volkswagen am Freitagvormittag um fast 2 Prozent hoch - nur die Papiere von Linde und Deutscher Börse schlugen sich besser im Dax. Seit Jahresbeginn hat sich die VW-Aktie jedoch schlechter entwickelt als der deutsche Leitindex.

Die um Sonderkosten bereinigte Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern solle nun im Gesamtjahr moderat über 7 Prozent liegen, teilte VW in Wolfsburg mit. Zuvor waren 6 bis 7 Prozent ohne die Herausrechnung von Sondereinflüssen erwartet worden. Von Juli bis September betrug das so berechnete operative Ergebnis 4,32 Milliarden Euro - 15 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Wegen der zusätzlichen Milliardenkosten für den Rückruf und die Nachrüstung manipulierter Dieselfahrzeuge in Nordamerika kam es unter dem Strich aber zu einem deutlichen Gewinneinbruch. Im dritten Quartal rutschte der Gewinn im Jahresvergleich um über die Hälfte auf 1,14 Milliarden Euro ab. Ende September hatte VW bekanntgegeben, dass Verzögerungen bei dem ohnehin schon kostspieligen Programm noch einmal viel Geld kosten würden - den Betrag bezifferte VW nun auf 2,6 Milliarden Euro. Das Vorhaben erweise sich als "erheblich langwieriger und technisch anspruchsvoller" als angenommen, hiess es. Damit stieg die Rechnung für die Bewältigung der Abgaskrise auf über 25 Milliarden Euro.

Ansonsten lief es aber weitgehend rund bei VW: Die Wolfsburger machten von Juli bis September 55 Milliarden Euro Umsatz - 5,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. VW hat in dem Zeitraum mit seinen Marken 2,65 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert - ein Plus von 6,3 Prozent.

Auch bei der wichtigen Kernmarke kommt der Konzern mit dem Sparprogramm weiter voran. VW Pkw hat im dritten Quartal erneut mehr Gewinn abgeworfen. Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis des grössten Konzernteils der Wolfsburger kletterte im Jahresvergleich mit rund 728 Millionen Euro auf das Doppelte. Zwar sind die Ergebniszahlen nicht direkt mit dem Vorjahreswert vergleichbar, weil VW viele ausländische Importeursgesellschaften nicht mehr zur Marke zählt. Das schlägt sich aber vor allem im Umsatz nieder, weil die nicht mehr dazu gerechneten Teile wenig Rendite aufweisen.

Die Kernmarke profitiert unter anderem vom guten Lauf in China und dem vermehrten Verkauf teurerer SUV, laut Konzern aber vor allem von dem im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten milliardenschweren Sparpakt. Die operative Umsatzrendite der Kernmarke betrug im dritten Quartal 3,8 Prozent./men/das/jha/

(AWP)