VW lehnt ausführlichen Bericht zu Diesel-Affäre weiter ab - Aktionärskritik

Der Volkswagen-Konzern lehnt einen ausführlichen Bericht zu den Ermittlungserkenntnissen der Anwaltskanzlei Jones Day zum Diesel-Abgasskandal weiter ab. "Mir ist bewusst, dass sich einige von ihnen eine noch weitergehende Transparenz wünschen", sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Mittwoch den versammelten Aktionären in Hannover. "Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und wird es auch nicht geben", sagte er zu den Erkenntnissen der von VW beauftragten US-Anwaltskanzlei.
10.05.2017 13:51

Über die gemeinsam mit dem US-Justizministerium veröffentlichte Faktensammlung (sogenanntes "statement of facts") im Rahmen des strafrechtlichen Vergleichs zu Beginn dieses Jahres werde es keinen gesonderten Bericht hinaus geben. Bei Aktionären stiess das auf deutliche Kritik.

Pötsch begründete das Vorgehen mit rechtlichen Risiken. Das Unternehmen stehe in der Verpflichtung, sich "nicht in Widerspruch zu den im Statement of Facts angegebenen Fakten" zu äussern. Der Konzern wolle daher keine zusätzlichen Ergebnisse veröffentlichen. "Alles andere wäre für Volkswagen unvertretbar riskant", sagte Pötsch. "Wir als Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen müssen alles tun, um weitere Schäden vom Unternehmen abzuwenden." VW hat für die Beseitigung von Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte bereits Kosten von 22,6 Milliarden Euro verbucht.

Vielen Aktionären geht der Aufklärungswille von VW damit aber nicht weit genug. "Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen", sagte Andreas Thomae von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Invest. "Ihr Verweis auf das Statement of Facts ist inhaltlich unzureichend und nahezu beleidigend," sagte der Experte für ordnungsgemässe Unternehmensführung Christian Strenger. Der Veröffentlichung eines Berichts von Erkenntnissen stehe die Faktensammlung nicht entgegen, die US-Behörden könnten vor einer entsprechenden Veröffentlichung zustimmen.

Pötsch führte aus, die Anwälte von Jones Day hätten im Rahmen ihrer Ermittlungen über 600 Interviews geführt, über 100 Millionen Dokumente habe der Konzern in einem Datenraum zur Verfügung gestellt.

Mitte März hatten Staatsanwälte und Polizisten Räume der Anwaltskanzlei Jones Day, von VW in Wolfsburg, Audi in Ingolstadt sowie weitere Standorte und auch Wohnungen durchsucht. VW hatte die Durchsuchung der Anwaltskanzlei sofort als klaren Verstoss gegen rechtsstaatliche Grundsätze und inakzeptabel kritisiert und angekündigt, dagegen vorzugehen.

Die Staatsanwaltschaft München II will herausfinden, wer an der manipulierten Abgas-Software bei Audi-Dieselmotoren und an den falschen Versprechen gegenüber Autokäufern in den USA beteiligt war. Sie hat deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet./men/tst/fbr

(AWP)