VW will in Emden weniger produzieren - Vorstand Sanz nach Brüssel

EMDEN/BRÜSSEL (awp international) - Volkswagens Passat-Werk in Emden bekommt die schwächere Nachfrage nach dem wichtigen Limousinen-Modell zu spüren. Die Fabrik in Ostfriesland wird in diesem Jahr weniger Autos produzieren als 2015, wie der neue Leiter Andreas Dick am Donnerstag sagte. Die Zahl von zuletzt 264 000 Neuwagen werde leicht unterschritten. Vor allem wegen der Umstellung auf das Modell CC könnten die Beschäftigten an vier Tagen nach dem 3. Oktober und in der Woche vor Weihnachten nicht arbeiten. Ob es von Oktober an noch weitere Schliesstage gebe, sei nicht klar. "Wir müssen sehen, wie sich der Absatz entwickelt. Bis dahin fahren wir auf Sicht", meinte Dick.
08.09.2016 17:40

Laut Medienberichten sollen etwa der Brexit-Beschluss, die politische Krise in der Türkei und ein Verkaufsverbot in Südkorea die Nachfrage nach dem Passat verringert haben. In dem ostasiatischen Land waren Behörden gegen Volkswagen unter anderem wegen des Abgas-Skandals vorgegangen, Manager wurden von der Staatsanwaltschaft vernommen.

Zur weiteren Aufarbeitung der Affäre um weltweit rund elf Millionen Dieselautos mit manipulierten Abgaswerten schickt VW seinen Chef-Krisenmanager und Einkaufsvorstand Francisco Garcia Sanz nach Brüssel. In der übernächsten Woche soll er EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova treffen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission der Deutschen Presse-Agentur, ohne ein genaues Datum zu nennen.

Jourova beriet am Donnerstag wie angekündigt mit europäischen Verbraucherschützern über Konsequenzen des Skandals. 31 Organisationen nahmen nach Angaben der Behörde an dem Treffen teil. Die Kommissarin hatte Anfang der Woche erklärt, Organisationen aus vielen EU-Staaten beklagten einen "Mangel an Transparenz" beim Umgang des Autobauers mit betroffenen Kunden. Die EU-Kommission fürchtet eine Ungleichbehandlung in verschiedenen Ländern. In Berlin tagte am Donnerstag der Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Zeitungen hatten gemeldet, dass in Emden eine Vier-Tage-Woche drohe. Die Freischichten im Oktober und Dezember seien allerdings schon länger mit Blick auf die CC-Umstellung geplant, erklärte Dick - "weil das alte Modell ausläuft und das neue noch nicht produziert wird". Die weitere Absatzentwicklung sei nicht abzusehen. Dies könne zu weiteren Schliesstagen führen, eine Prognose sei derzeit aber nicht möglich. Mit Konsequenzen für Leiharbeiter rechnete Dick 2016 nicht.

Der Emder Betriebsratschef Peter Jacobs forderte Dick auf, sich bei der Konzernspitze in Wolfsburg für die Produktion eines vierten Modells einsetzen. "Im Hochlohnland Deutschland müssen wir auf Effizienz achten", betonte dazu Dick. Dies habe Folgen für das Personal, es gebe aber weitere Stellschrauben. Ein "Zukunftspakt", der den Sparkurs bei VW mit der Sicherheit der Jobs ausbalancieren soll, wird derzeit zwischen Management und Betriebsrat verhandelt.

In der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden sollen im ersten Halbjahr 2017 wieder Fahrzeuge produziert werden. Im November werde mit Umbauarbeiten begonnen, sagte der Manager Kai Siedlatzek. Zum künftigen Produkt werde sich VW in den nächsten Wochen äussern.

Nach dem Auslaufen der Phaeton-Fertigung im März wurde die Gläserne Manufaktur von VW umgestaltet. Sie zeigt derzeit rund 50 interaktive Exponate zu den Themen Digitalisierung und Elektromobilität./woe/DP/stk

(AWP)