Wacker Chemie sieht beim Ausblick Luft nach oben

(Ausführliche Fassung) - Ein starkes Geschäft mit Silikonen für die Bau- und Chemieindustrie hat dem Spezialchemiekonzern Wacker Chemie zum Jahresstart einen operativen Gewinnsprung beschert. Sollte diese Entwicklung andauern, traut sich Konzernchef Rudolf Staudigl zu, die zunächst bestätigten Gewinnprognosen für 2018 zu übertreffen. Aktuell strebt das MDax-Unternehmen ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, nach rund einer Milliarde Euro 2017.
26.04.2018 09:42

Bei den Anlegern kam das gut an. Die Aktien stiegen am Vormittag um 3,44 Prozent auf 148,65 Euro. Damit knüpften die Papiere an ihre jüngste Erholung an, nachdem sie vom Mehrjahreshoch bei 176,80 Euro im Januar bis in den März hinein um mehr als ein Viertel gefallen waren.

Im abgelaufenen ersten Quartal stieg das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf fast 255 Millionen Euro, wie Wacker Chemie am Donnerstag in München mitteilte. Unter dem Strich verdienten die Bayern mit gut 79 Millionen zwar deutlich weniger als vor einem Jahr, allerdings hatte da der Verkauf von Anteilen der ehemaligen Tochter Siltronic für einen Sondereffekt gesorgt.

Beim Umsatz bekam das Unternehmen den starken Euro sowie den Produktionsstopp am US-Standort Charleston zu spüren. Die Anlage zur Herstellung von Reinstsilizium (Polysilicium) für die Solarindustrie war im vergangenen Jahr bei einem Unglück beschädigt worden. Der Konzernumsatz lag daher mit 1,2 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau. Ein starker Eurokurs kann den Absatz ausserhalb der Eurozone belasten, zudem bleibt nach der Umrechnung von Dollar-Erlösen in Euro weniger übrig.

Wacker Chemie habe die Markterwartungen beim Umsatz und dem Ebitda in etwa erfüllt und beim Überschuss auch dank einer niedrigeren Zinsen- und Steuerlast übertroffen, sagte Analystin Laura Lopez Pineda von der Baader Bank. Sie sieht bei den Unternehmenszielen für das laufende Jahr weiterhin Luft nach oben.

"Sehr gut hat sich im Berichtsquartal unser Chemiegeschäft entwickelt", sagte Konzernchef Staudigl laut Mitteilung. Besonders stark sei die Nachfrage nach Silikonen gewesen, was Preiserhöhungen ermöglicht habe. Die Silikon-Produkte von Wacker finden unter anderem in der Bau- und Autoindustrie, aber auch im Maschinenbau und der Medizintechnik Verwendung. Das Ebitda schnellte in dieser Sparte um 38 Prozent auf fast 149 Millionen Euro nach oben.

In der im Vergleich kleineren Sparte für Polymerprodukte wie Bindemitteln und Additive lief es wegen des starken Eurokurses und gestiegener Rohstoffpreise nicht ganz so rund. Hier sank das Ebitda um ein Fünftel. Auch im Polysilizum-Geschäft fiel das operative Ergebnis deutlich, auch wegen der Kosten infolge des Unglücks im US-Werk. Dadurch stand weniger des Solarindustrie-Grundstoffs zum Verkauf zu Verfügung. Die Anlage wird nun aber schrittweise wieder hochgefahren./mis/tav/jha/

(AWP)