Wacker Chemie und Tochter Siltronic drehen zum Jahresende auf

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemiekonzern Wacker und seine Halbleiter-Tochter Siltronic haben ein durchwachsenes Jahr 2016 mit einem Schlussspurt gerettet. "In allen Segmenten waren die Umsätze dank der guten Kundennachfrage deutlich höher als vor einem Jahr", erklärte Konzernchef Rudolf Staudigl am Mittwoch in München. "Insgesamt verzeichnen wir das bislang umsatzstärkste Schlussquartal."
01.02.2017 09:23

"Die Ergebnisse des vierten Quartal sind aussergewöhnlich gut gewesen", erklärte Analyst Peter Spengler von der DZ Bank in einer ersten Einschätzung. Die Zahlen hätten die allgemeinen Erwartungen übertroffen. Sein Kollege Thomas Becker von der Commerzbank lobte explizit das gute Abschneiden von Siltronic und sprach von einem starken Ausblick des Halbleiter-Spezialisten auf das laufende Jahr.

Die Aktien beider Unternehmen sackten dennoch im frühen Handel zunächst ab um teils mehr als 3 Prozent - sie haben allerdings auch einen starken Lauf hinter sich. Das Wacker-Papier war zuvor im noch jungen Jahr 2017 um rund 13 Prozent in die Höhe geklettert und belegte damit den Spitzenplatz im MDax. Siltronic entwickelte sich ähnlich gut und stand auf Platz zwei im TecDax.

Nach neun Monaten hatte Wacker noch einen minimalen Rückgang seiner Geschäfte ausweisen müssen. Im Gesamtjahr konnte der Konzern dank des Schlussspurts den Umsatz letztlich um 2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro steigern, allerdings litt der Gewinn unter höheren Abschreibungen. Unterm Strich fiel das Ergebnis nach vorläufigen Zahlen um 21 Prozent auf 190 Millionen Euro. Wacker stellt unter anderem Silicium für die Solar- und Computerchipindustrie her und ist ein wichtiger Lieferant von Dicht- und Klebemassen etwa für die Bau- und Autoindustrie.

Die ebenfalls börsennotierte Tochter Siltronic wiederum stellt Wafer her, die die Basis für Computerchips bilden. Das Unternehmen konnte den Jahresumsatz dank des guten Schlussquartals letztlich stabil halten bei 933 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebit) auf 27 Millionen Euro glatt verzehnfachen. Einen Nettowert nannte das Unternehmen nicht.

Siltronic erklärte, im vierten Quartal in wichtigen Produktionszweigen voll ausgelastet gewesen zu sein. Für vereinzelte Zusatzaufträge hätten bereits Preiserhöhungen durchgesetzt werden können; weitere Erhöhungen sollten folgen. "Insgesamt verlaufen die Preisverhandlungen positiv", sagte Vorstandschef Christoph von Plotho. Die Nachfrage nach Siltronic-Wafern sei ungebrochen.

Das Siltronic-Management zeigte sich vor diesem Hintergrund "sehr positiv" gestimmt für 2017. Der Umsatz wird bei mindestens 1 Milliarde Euro erwartet. Auf der Gewinnseite sollen Einsparungen in Höhe von 20 bis 25 Millionen Euro helfen. Der Mutterkonzern Wacker, der noch etwas mehr als die Hälfte an Siltronic hält, hielt sich mit einer Prognose zunächst zurück./das/bgf/stb

(AWP)