Wacker Chemie und Tochter Siltronic drehen zum Jahresende auf

(neu: Aktualisierter Kursverlauf und Interview mit Finanzchef) - Der Spezialchemiekonzern Wacker und seine Halbleiter-Tochter Siltronic haben ein durchwachsenes Jahr 2016 mit einem Schlussspurt gerettet. "In allen Segmenten waren die Umsätze dank der guten Kundennachfrage deutlich höher als vor einem Jahr", sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Mittwoch in München. "Insgesamt verzeichnen wir das bislang umsatzstärkste Schlussquartal."
01.02.2017 15:47

Wie Finanzchef Tobias Ohler der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX sagte, hat sich der gute Lauf im Januar fortgesetzt: "Unsere Anlagen sind weiterhin voll ausgelastet; das gilt für praktisch alle Sparten", sagte er. "Wir haben eine hohe Nachfrage, insbesondere bei den Siliconen und Polysilicium. Wir liegen beim Umsatz im Januar über dem Vorjahreswert." Sein Fazit: "Der Januar stimmt uns zuversichtlich."

Für den Heimatmarkt Europa prognostiziert der Wacker-Finanzchef einen "fortgesetzten leichten Aufschwung". Sorgen bereitet ihm allerdings die politische Entwicklung in den USA nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Donald Trump, der eine protektionistische Linie vertritt. "Grundsätzlich sind wir besorgt, denn wir sehen jede Art von Eingriff in den freien Handel immer als schädlich an."

Nach neun Monaten hatte Wacker noch einen minimalen Rückgang seiner Geschäfte verzeichnet. Im Gesamtjahr steigerte der Konzern dank des Schlussspurts den Umsatz letztlich um 2 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, allerdings litt der Gewinn unter höheren Abschreibungen nach der Fertigstellung eines milliardenschweren Werkes im US-Bundesstaat Tennessee. Unter dem Strich fiel das Ergebnis nach vorläufigen Zahlen um 21 Prozent auf 190 Millionen Euro. Wacker stellt unter anderem Silicium für die Solar- und Computerchipindustrie her und ist ein wichtiger Lieferant von Dicht- und Klebemassen etwa für die Bau- und Autoindustrie.

Die ebenfalls börsennotierte Tochter Siltronic wiederum stellt Wafer her, die die Basis für Computerchips bilden. Das Unternehmen hielt den Jahresumsatz dank des guten Schlussquartals letztlich stabil bei 933 Millionen Euro und verzehnfachte das operative Ergebnis (Ebit) auf 27 Millionen Euro. Einen Nettowert nannte das Unternehmen nicht.

Analyst Peter Spengler von der DZ Bank war vom Abschneiden des Wacker-Konzerns im Schlussquartal angetan - die Zahlen hätten die allgemeinen Erwartungen übertroffen. Sein Kollege Thomas Becker von der Commerzbank lobte explizit das gute Abschneiden von Siltronic und sprach von einem starken Ausblick des Halbleiter-Spezialisten auf das laufende Jahr.

Beide Papiere waren in den vergangenen Monaten bereits gut gelaufen. Während die Wacker-Chemie-Papiere am Mittwoch im MDax um mehr als 2 Prozent nachgaben, legten Siltronic-Aktien an der TecDax-Spitze um mehr als 4 Prozent zu.

Siltronic teilte mit, dass im vierten Quartal für vereinzelte Zusatzaufträge bereits Preiserhöhungen hätten durchgesetzt werden können; weitere Erhöhungen sollten folgen. Die Nachfrage nach Siltronic-Wafern sei ungebrochen, sagte Vorstandschef Christoph von Plotho. Das Siltronic-Management zeigte sich vor diesem Hintergrund "sehr positiv" gestimmt für 2017. Der Umsatz wird bei mindestens 1 Milliarde Euro erwartet.

Zum Verkauf weiterer Siltronic-Anteile hielt sich Wacker-Finanzchef Ohler gegenüber dpa-AFX bedeckt. "Es gibt immer mal wieder Gespräche, aber wir haben keinen Handlungsdruck", erklärte er. Momentan hält der Chemiekonzern 57,8 Prozent an Siltronic. Es bleibe dabei, dass sich Wacker Chemie mittelfristig von der Mehrheit an Siltronic trennen wolle, sagte Ohler. "Es kommt auf das richtige Angebot an."/das/ees/he

(AWP)