Wacker stemmt sich gegen Euro-Gegenwind - Sonderdividende für 2017

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie will seinen Gewinn 2018 trotz des Gegenwinds durch höhere Rohstoffpreise und den starken Euro deutlich steigern. Helfen sollen dabei höhere Absatzpreise und weiter sprudelnde Gewinne der Beteiligung Siltronic. Von dem Ergebnissprung im Jahr 2017 sollen die Aktionäre mit einer Sonderdividende profitieren. Zusätzlich zur regulären Ausschüttung, die um 0,50 Euro auf 2,50 Euro steigen soll, sollen sie weitere 2,00 Euro je Aktie erhalten, wie das MDax-Unternehmen am Dienstag in München mitteilte.
13.03.2018 10:03

Bei den Anlegern konnte Wacker damit aber nicht punkten. Analysten monierten den Geschäftsausblick. Die Aktie fiel kurz nach dem Handelsstart um 4,21 Prozent auf 134,10 Euro und war damit schwächster Wert im MDax. Ein Teil der jüngsten Kurserholung ist damit wieder hin. Die Papiere waren zuletzt im Sog der allgemeinen Börsenturbulenzen bis auf 128,20 Euro abgerutscht. Das entspricht einem Kursverlust von mehr als einem Viertel seit dem Mehrjahreshoch vom Januar.

Bereits bei der Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen Anfang Februar hatte Wacker Chemie die Investoren auf Gegenwind durch den starken Euro eingestellt. Dieser kann den Export erschweren und führt dazu, dass etwa von im Dollar-Raum erzielten Gewinnen nach der Umrechnung in Euro weniger übrig bleibt. Hinzu kommt beim Umsatz eine neue Rechnungslegungsvorschrift. Diese führt dazu, dass einige Lieferverträge nicht mehr als Umsatzerlöse ausgewiesen werden dürfen. Für 2018 stellte Konzernchef Rudolf Staudigl daher ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht.

Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) peilt er dennoch ein Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich an. 2017 war es um rund 6 Prozent auf gut 1 Milliarde Euro gestiegen. Der Jahresüberschuss aus dem fortgeführten Geschäft soll im Vergleich zum Vorjahreswert von 250 Millionen Euro deutlich zulegen. "Die Perspektiven für Wacker sind unverändert gut", sagte Staudigl. Die Nachfrage sei in allen Geschäftsbereichen hoch.

Analyst Patrick Rafaisz von der Schweizer Grossbank UBS wertete den Ausblick für 2018 auf den ersten Blick als etwas enttäuschend. Dem stünden aber die zuversichtlichen Prognosen für das erste Quartal gegenüber.

Laut Wacker entwickelte sich das Chemiegeschäft in den ersten beiden Monaten des Jahres positiv, während der Umsatz im Geschäft mit dem Solarindustriegrundstoff Polysilizium wegen des Produktionsstillstands am US-Standort Charleston im Jahresvergleich gesunken sei. Das Werk war 2017 bei einem Unfall beschädigt worden. Aller Voraussicht nach könne Wacker aber schon in einigen Wochen damit beginnen, die Anlagen wieder hochzufahren, sagte Staudigl. Mittlerweile erhielten die Münchner auch eine Vorauszahlung einer Versicherung von 100 Millionen US-Dollar (81 Millionen Euro).

Insgesamt rechnet das Unternehmen im ersten Quartal 2018 mit einem Konzernumsatz auf Vorjahresniveau von 1,22 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis soll dank höherer Verkaufspreise für Silikonprodukte und eines steigenden Gewinnbeitrags von Siltronic deutlich zulegen. Wacker Chemie hält noch rund 31 Prozent der ehemaligen Tochtergesellschaft.

Wacher Chemie stellt Silizium für die Solarindustrie her und ist ein wichtiger Lieferant von Dicht- und Klebemassen etwa für die Bau- und Autoindustrie./mis/stw/fba

(AWP)