Wartungsgeschäft gibt Triebwerksbauer MTU Schub

(Ausführliche Fassung)
25.10.2016 11:33

MÜNCHEN (awp international) - Ein florierendes Wartungsgeschäft hebt die Stimmung beim Münchner Triebwerksbauer MTU . Nach einem weiteren Wartungsrekord im Sommerquartal schraubte Vorstandschef Reiner Winkler seine Gewinnpläne für 2016 ein zweites Mal nach oben, wie MTU am Dienstag mitteilte.

So rechnet Winkler für 2016 jetzt mit einem um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 500 Millionen Euro - 20 Millionen mehr als zuletzt in Aussicht gestellt. Der Umsatz soll weiterhin 4,7 Milliarden Euro erreichen. Während das Wartungsgeschäft stärker wächst und mehr Gewinn bringt als geplant, bremsen die verzögerten Auslieferungen von Triebwerken für den neuen Airbus A320neo die Erlösentwicklung im Seriengeschäft.

Analyst Alexander Hauenstein von der DZ Bank lobte die Geschäftszahlen. Zudem sei die neue Gewinnprognose etwas höher ausgefallen als am Markt erwartet. Dennoch ging die MTU-Aktie auf Sinkflug. Am Vormittag verlor das Papier mehr als vier Prozent an Wert und war damit Schlusslicht im nahezu unveränderten MDax . Händlern zufolge nahmen Anleger dabei die jüngsten Kursgewinne mit. Die Aktie war gut gelaufen seit Sommer.

Im dritten Quartal steigerte MTU seinen Konzernumsatz nur dank sprudelnder Wartungsaufträge um 4,5 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit zog um gut 16 Prozent auf knapp 140 Millionen Euro an. Der Überschuss legte auf 83,8 Millionen Euro zu. Dabei warf auch das Geschäft mit neuen Triebwerken mehr ab als ein Jahr zuvor - trotz rückläufiger Umsätze.

Als Grund dafür führte MTU die Verzögerungen bei dem Antrieb PW1100G für die modernisierten Airbus-Mittelstreckenjets A320neo an. Die Münchner arbeiten an dem Antrieb mit, der unter der Führung des US-Herstellers Pratt & Whitney entwickelt wurde. Wegen Hitzeproblemen hatte sich der Grossteil der Auslieferungen um rund ein halbes Jahr auf die Zeit ab Mitte 2016 verschoben. Inzwischen seien die Probleme aber gelöst, versicherten Winkler und Programmvorstand Michael Schreyögg.

Neue Triebwerke bringt den Herstellern zwar viel Umsatz. Allerdings verkaufen sie die Antriebe oft mit Verlust. Richtig Geld verdienen sie erst an den Ersatzteilen und bei der Wartung. Daher dürften sich die Verzögerungen bei den neuen Getriebefan-Triebwerken beim Gewinn eher positiv auswirken. Auch mögliche Vertragsstrafen wegen der Verzögerungen brächten die Gewinnprognose für 2016 nicht in Gefahr, sagte Winkler.

MTU arbeitet an Triebwerksmodellen für zahlreiche Flugzeugtypen wie den Airbus-Mittelstreckenjets aus der A320-Familie, der vergleichsweise spritsparenden Neuauflage A320neo, Boeings Langstreckenjet 787 "Dreamliner", dem Jumbo-Jet 747-8 und dem Airbus A380 mit. In verschiedenen Konsortien sind die Münchner dabei Partner von Herstellern wie General Electric oder der United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney.

Für den unter Führung von Pratt & Whitney entwickelten neuen A320neo-Antrieb haben sich die Münchner auch eine eigene Endmontage aufgebaut, die vergangene Woche offiziell eröffnet wurde. 30 Prozent der Getriebefan-Triebwerke für den Airbus-Verkaufsschlager sollen künftig dort zusammengebaut werden. In diesem Jahr sollen 40 Exemplare des zweistrahligen Flugzeugtyps Triebwerke aus dem MTU-Werk erhalten. Im nächsten Jahr sollen es mindestens 120 sein, wie Winkler und Schreyögg ankündigten./stw/men/das

(AWP)