Wasserstoff soll Stahlproduktion bei Thyssenkrupp klimafreundlicher machen

Mit Hilfe von Wasserstoff will Thyssenkrupp die Stahlproduktion sauberer machen. Der grösste deutsche Stahlhersteller hat am Montag in seinem Duisburger Werk einen Versuch gestartet, in einem Hochofen Kohlenstaub teilweise durch Wasserstoff zu ersetzen. "Wir leisten hier Pionierarbeit", sagte Thyssenkrupp-Stahlchef Premal Desai. Als erstes Unternehmen weltweit blase Thyssenkrupp Wasserstoff statt Kohle in einen laufenden Hochofen. Am Ende des Umbaus der Produktion werde "grüner Stahl stehen".
11.11.2019 18:15

Beim Einsatz von Kohle im Hochofen landet klimaschädliches Kohlendioxid in der Luft. Wird die Kohle durch Wasserstoff ersetzt, wird dagegen Wasserdampf freigesetzt. Das Verfahren steht aber erst am Anfang. Ab dem Jahr 2022 sollen nach früheren Angaben von Thyssenkrupp schrittweise alle vier Hochöfen in Duisburg auf die Zufuhr von Wasserstoff umgestellt werden. Der Stahlhersteller sieht dadurch ein theoretisches Einsparpotenzial von rund 20 Prozent des sonst anfallenden Kohlendioxids.

Das Werk von Thyssenkrupp in Duisburg ist nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) die Industrieanlage mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland. Nur die grossen Braunkohlekraftwerke haben noch weit höhere Werte. Insgesamt entfallen auf die Eisen- und Stahlindustrie etwa 30 Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Industrie. Auch bei den anderen Stahlherstellern in Deutschland laufen deshalb Projekte zum Einsatz von Wasserstoff.

Wirklich umweltfreundlich ist der Einsatz von Wasserstoff aber nur, wenn er mit grünem Strom hergestellt wird. Soll die gesamte Stahlproduktion in Deutschland auf Wasserstoff umgestellt werden, entsteht nach Angaben des Branchenverbands Stahl ein zusätzlicher Strombedarf von mindestens 130 Terawattstunden im Jahr. Rund 12 000 Windräder an Land seien nötig, um so viel grünen Strom zu erzeugen.

In Duisburg fördert das Land Nordrhein-Westfalen die erste Projektphase mit 1,6 Millionen Euro. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) nannte das Projekt "ein schönes Beispiel dafür, wie innovative Schlüsseltechnologien aus Nordrhein-Westfalen heraus entwickelt werden können". Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte: "Ein wichtiger Tag mit einer weltweiten Premiere: In Nordrhein-Westfalen beginnt der Einstieg in die CO2-reduzierte Stahlproduktion."

Thyssenkrupp verfolgt noch einen zweiten Weg, den CO2-Ausstoss bei der Stahlproduktion zu verringern. Dazu sollen Hüttengase als Rohstoff für die chemische Industrie genutzt werden. Im vergangenen Jahr konnte erstmals Methanol und Ammoniak unter industriellen Produktionsbedingungen aus den Hüttengasen erzeugt werden.

Thyssenkrupp muss wie die gesamte Branche bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Dazu sind noch weit aufwendigere Veränderungen im Produktionsprozess und der Bau ganz neuer Produktionslagen erforderlich. Dazu müssten in den nächsten drei Jahrzehnten Investitionen von rund 10 Milliarden Euro getätigt werden, heisst es in einer Darstellung von Thyssenkrupp./hff/DP/jsl

(AWP)

 

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