WEF 2017: Finanzkonzerne laut Deutsche-Bank-Chef vor Finanzkrise zu komplex

Ihre Komplexität und nicht die schiere Grösse ist den Finanzkonzernen nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef John Cryan in der letzten Finanzkrise zum Verhängnis geworden. "Es geht nicht um Grösse", sagte Cryan am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dies sei kein Problem bei einem einfachen Kredit- und Spargeschäft. Das Problem sei die Ausweitung auf viele Märkte, Produkte und Kundengruppen gewesen. "Und wir haben uns nicht immer so selbst kontrolliert, wie wir es hätten tun sollen", räumte er ein. "Es war der Zeitgeist: Der Fokus lag auf Wachstum, auf dem Gewinnen von Marktanteilen, auf grenzüberschreitenden Fusionen, die zwar nicht mehr Wert geschaffen haben, jedoch mehr Komplexität."
17.01.2017 12:14

Während der Finanzkrise ab dem Jahr 2008 mussten sich viele namhafte Banken den Vorwurf "too big to fail" gefallen lassen - also zu gross zu sein, als dass der Steuerzahler sie untergehen lassen könnte. "Ich denke, eine bessere Formulierung war immer: zu kompliziert, um sie zu managen", sagte Cryan auf einem Podium zur Zukunft der Finanzwirtschaft. Es habe häufig am "gesunden Menschenverstand" bei der Abschätzung von Risiken gefehlt. Heute seien Banken dagegen besser geführt. "Wir fragen uns, was falsch laufen könnte."

Die Deutsche Bank selbst hatte die Finanzkrise vergleichsweise glimpflich überstanden, war aber im vergangenen Jahr in schweres Fahrwasser geraten, als Sorgen um die Kapitalausstattung den Aktienkurs auf einen historischen Tiefstand fallen liessen. Derzeit baut Cryan das Haus um. "Technologie ist der Schlüssel in den kommenden fünf Jahren", sagte er in Davos.

Die Produkte an sich veränderten sich kaum - dafür aber die Wege, auf denen der Kunde erreicht werde. Die sogenannten Fintechs - Startups, die die Finanzbranche mit neuen Ideen durcheinander wirbeln - vereinfachten vieles, nagten aber auch am Profit./das/DP/stb

(AWP)