Werk-Stillstand belastet Aurubis - Ausblick bestätigt

(Ausführliche Fassung)
10.08.2016 10:19

HAMBURG (awp international) - Den Kupferhersteller Aurubis hat ein schwaches Altkupfergeschäft und der Stillstand eines Werks in Bulgarien im dritten Geschäftsquartal stark belastet. Umsatz und operatives Ergebnis gingen deutlich zurück, wie der im MDax notierte Kupferhersteller am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Der Umbau der Schmelze in Pirdop ist inzwischen aber abgeschlossen. Die Prognose für das noch bis Ende September laufende Geschäftsjahr bekräftigten die Hamburger. Im Vergleich zum Rekord im Vorjahr dürfte das Ergebnis aber deutlich niedrigerer ausfallen.

Von April bis Juni brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wegen niedrigerer Kupferpreise um ein Fünftel auf 2,35 Milliarden Euro ein. Der Kupferpreis lag im Schnitt mit 4729 US-Dollar je Tonne um mehr als ein Fünftel unter dem Niveau vor einem Jahr. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern ging um 57 Prozent auf 35 Millionen Euro zurück. Der Markt für Altkupfer bleibt angesichts des gedrückten Preisniveaus schwierig.

Aurubis profitiert im bisherigen Jahresverlauf von einer robusten Nachfrage sowie höheren Löhnen für das Schmelzen und Aufarbeiten von Kupferkonzentrat. Altkupfer wurde hingegen wenig zur Schmelze angeboten und auch der Preis von Schwefelsäure - einem Nebenprodukt der Kupferherstellung - blieb wegen eines zu hohen Angebots unter Druck. Schwefelsäure wird etwa in der Chemie- und Düngemittelindustrie eingesetzt.

Die Schwefelsäurepreise dürften sich aus Sicht von Aurubis nicht erholen. Auch bei den Altkupfermärkten sei keine nachhaltige Erholung zu erwarten. Positiv könnten hier jedoch steigende Metallpreise wirken. Die Schmelz- und Raffinierlöhne - die für die Ertragskraft von Aurubis die entscheidenden Grössen sind - dürften aber auf einem guten Niveau liegen. Auch vom starken US-Dollar profitiert der Konzern.

Die Aktien standen am Mittwoch zunächst mit Abschlägen von 2,36 Prozent deutlich unter Druck. Eine Stunde nach Handelsbeginn drehten die Papiere dann aber ins Plus und gewannen zeitweise 4,5 Prozent. Börsianer nannten für das Auf und Ab auch charttechnische Gründe. Analyst Fawzi Hanano von der Privatbank Berenberg zeigte sich von der Entwicklung im dritten Quartal etwas enttäuscht. Der Ausblick stehe allerdings. Das Management fühle sich offenbar weiter ganz wohl mit den Markterwartungen.

Seit Anfang Juli wird der Konzern von Jürgen Schachler geführt. Er lobte den erfolgreichen Abschluss der Umbauarbeiten an der Kupferschmelze in Bulgarien. Die Kupferöfen müssen regelmässig erneuert werden. Bei der Erneuerung am Stammwerk in Hamburg hatte es zuletzt erhebliche Probleme gegeben.

Der 150 Jahre alte Konzern, an dem der deutsche Stahlkonzern Salzgitter mit einem Anteil von 25 Prozent eine entscheidende Beteiligung hält, stellt mit rund 6300 Mitarbeitern reines Kupfer aus Kupfererz und Kupferschrott her und verarbeitet es weiter zu Blechen, Rohren und Kabeln für die Auto-, Elektro- und Bauindustrie./jha/she/stb

(AWP)