Wincor Nixdorf nun offiziell Teil von US-Konzern Diebold

NORH CANTON (awp international) - Die Eigenständigkeit des Paderborner Geldautomaten- und Kassenherstellers Wincor Nixdorf ist offiziell Geschichte. Nach gut einjähriger Vorbereitung schloss der US-Konzern Diebold am Montag die Milliarden-Übernahme ab, wie die Amerikaner in North Canton (Ohio) mitteilten. Das fusionierte Unternehmen wird von diesem Dienstag an unter dem Namen Diebold Nixdorf firmieren. Als letzte Wettbewerbsbehörde hatte Anfang des Monats das polnische Kartellamt das Geschäft genehmigt.
15.08.2016 15:43

Im November 2015 hatte die Wincor-Spitze nach einigem Zögern das Übernahmeangebot des Rivalen angenommen. Gemeinsam könnten die Unternehmen den tiefgreifenden Veränderungen in der Branche angesichts der fortschreitenden Digitalisierung besser begegnen, hiess es damals. Die Zustimmung der Wincor-Aktionäre folgte in diesem Frühjahr.

Diebold bezahlt mit einer Mischung aus Barmitteln und eigenen Aktien. Pro Wincor-Aktien gibt es 38,98 Euro und 0,434 Diebold-Anteilscheine. Damit werden 892 Millionen Euro direkt überwiesen und knapp 10 Millionen neue Diebold-Aktien ausgegeben. Zusammen beträgt der Preis damit nach derzeitigen Aktienkursen rund 1,2 Milliarden Euro. Durch die Übernahme schnellt die Verschuldung des US-Konzerns nach oben. Sie soll in den nächsten drei Jahren aber wieder sinken. Der Konzern verspricht sich künftig Kostenvorteile von 160 Millionen US-Dollar pro Jahr durch den Zusammenschluss.

Mit der Übernahme schliesst Diebold zum Weltmarktführer NCR auf. Das fusionierte Unternehmen kommt nach früheren Angaben auf einen Jahresumsatz von rund fünf Milliarden Euro, 25 000 Beschäftigte und rund eine Million Geldautomaten. Einem wesentlichen Stellenabbau in Deutschland über das bereits laufende Sparprogramm soll es nach früheren Angaben nicht geben. Ende Juni arbeiteten gut 9 600 Menschen bei Wincor.

In der wechselhaften Geschichte des 1952 von Hans Nixdorf gegründeten Unternehmens beginnt damit ein neues Kapitel. Der Computerpionier baute seine Firma mit ihren "Elektronenrechnern" bis in die 1980er Jahre zum viertgrössten Computerhersteller Europas aus, verkannte dann aber den Trend zum PC für jedermann. 1990 übernahm Siemens das Unternehmen und machte die "Siemens Nixdorf Informationssysteme AG" zum grössten Anbieter von Computer- und Softwarelösungen in Europa. Den dazu gehörenden Teil für Geldautomaten und Kassensysteme gliederte Siemens 1998 aus und verkaufte ihn an Finanzinvestoren, die das Unternehmen schliesslich 2004 an die Börse brachten. Mit der Übernahme durch Diebold verliert Paderborn den rechtlichen Sitz des Unternehmens./enl/she/he

(AWP)