Wirtschaftsforscher zuversichtlich für deutschen Arbeitsmarkt

Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen dieses Jahr mit einem weiter robusten Arbeitsmarkt in Deutschland. So erwartet das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) trotz einer steigenden Zahl arbeitslos gemeldeter Flüchtlinge eine anhaltend niedrige Arbeitslosenquote. Sie dürfte im Jahresdurchschnitt bei 5,6 Prozent liegen, sagten die Forscher in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Frühjahrsprognose. Im vergangenen Jahr war die Quote erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Sechs-Prozent-Marke gefallen.
15.03.2017 16:20

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) rechnet mit 600 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in diesem Jahr und mit weiteren 440 000 im kommenden. Die Arbeitslosenquote werde bis 2018 auf 5,1 Prozent sinken - 0,7 Prozentpunkte weniger als Ende 2016. Ein Grund sei, dass Arbeitgeber nicht mehr so viel Auswahl hätten, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch. "Es ist für Unternehmen attraktiv einzustellen, um sich Leute zu sichern." Zudem seien die Lohnkosten im Verhältnis zur Produktivität nicht besonders stark gestiegen. Der Boom erhöhe die Chancen für Flüchtlinge, von denen in diesem Jahr viele auf den Arbeitsmarkt kämen.

Etwas skeptischer ist das Essener Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) - gerade, was die Flüchtlinge betrifft. Die Zahl der Erwerbstätigen werde zwar weiter steigen, die Zahl der Arbeitslosen aber kaum zurückgehen, prognostiziert das RWI. Grund sei, dass vermehrt anerkannte Asylsuchende mit zunächst ungünstigen Beschäftigungschancen in den Arbeitsmarkt integriert werden müssten.

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt ist bedingt durch die robuste Konjunktur in Deutschland, die gerade vom starken privaten Konsum getragen wird. Die Experten vom IWH rechnen für 2017 zwar nur mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, also mit weniger Wachstum als im vergangenen Jahr (1,9 Prozent). 2018 soll die Wirtschaft laut ihrer Prognose aber wieder um 1,6 Prozent zulegen. DIW und RWI rechnen mit ähnlichen Zuwächsen: Das DIW prognostiziert ein Plus von 1,4 Prozent in diesem Jahr und von 1,7 Prozent im kommenden. Das RWI rechnet dieses Jahr mit 1,3 Prozent und kommendes mit 1,8 Prozent.

Die Bundesbürger müssten sich jedoch in den nächsten Jahren auf geringere Reallohnzuwächse einstellen. "Die Realeinkommen der privaten Haushalte werden wegen der höheren Inflation wohl nicht mehr so stark steigen und damit auch der private Konsum nicht", erklärte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn am Mittwoch. Lag die Inflationsrate 2016 bei 0,5 Prozent, rechnen die Wirtschaftsforscher für dieses Jahr mit einer Rate von 1,9 Prozent und für 2018 von 1,7 Prozent. Steigen die Preise durch Inflation, bleibt Bürgern weniger Geld von ihrem Einkommen übrig./als/DP/bgf

(AWP)