Ypsomed brechen nach Verlust von Insulet-Auftrag massiv ein

Die Aktien der Medtechfirma Ypsomed brechen am Freitag massiv ein. Vorausgegangen war dieser Marktreaktion eine Meldung des Unternehmens, wonach die Liefervereinbarung für die Insulinpumpe OmniPod mit der amerikanischen Insulet Corp nicht verlängert werden konnte. In Marktkreisen zeigt man sich sehr überrascht.
21.07.2017 10:14

Bis um 09.45 Uhr fallen Ypsomed um 27% auf 139,20 CHF zurück und büssen damit über einen Viertel an Wert ein. Die gehandelten Volumina sind trotz einer vorübergehenden Handelsaussetzung sehr hoch. Der Gesamtmarkt (SPI) steht 0,09% tiefer.

Man habe sich mit Insulet nicht auf eine Verlängerung des Distributionsvertrags für die Insulinpumpe OmniPod einigen können, teilte Ypsomed am Morgen mit. Die Preisforderungen seitens Insulet hätten eine wirtschaftliche Weiterführung des Geschäfts verunmöglicht. Dies bezeichnet Ypsomed als "bedauerlich".

Ausgehend vom letztjährigen Abschluss verliert das Geschäftssegment Ypsomed Diabetes Care 120 Mio CHF an Umsatz und 24 Mio Betriebsgewinn ab dem Geschäftsjahr 2018/19. Die Burgdorfer sehen sich für die Zukunft aber gleichwohl gut aufgestellt und wollen mittelfristig ihre eigene schlauchlose Insulinpumpe mylife YpsoPod einführen, was die Märkte indes kaum tröstet.

Der Entscheid von Insulet komme unerwartet, heisst es in einem Kommentar der Bank Vontobel. Man sei davon ausgegangen, dass die Zeit für Insulet nicht ausreiche, eine eigene Distribution in Europa aufzubauen, und dass die damit verbundenen Kosten und Risiken zu hoch seien. Klar sei allerdings gewesen, dass die Margen bei einer Verlängerung des Vertrags abgenommen hätten. Die Bank wird nun ihre Schätzungen für Ypsomed entsprechend anpassen, ebenso das Kursziel. Das Rating "Hold" wird dagegen bestätigt.

Vontobel geht allerdings davon aus, dass Ypsomed mit der Insulinpumpe OmniPod weiter rasches Wachstum generieren wird. Der negative Einfluss durch die nicht-Verlängerung von Insulet werde sich auf Stufe EBIT auf 23 bis 25 Mio CHF im Geschäftsjahr 2018/19 belaufen und auf noch 5 bis 7 Mio im Geschäftsjahr 2019/20.

Die Zürcher Kantonalbank bezeichnet die Vertragsbeendigung als "völlig überraschend". Für die künftige Geschäftsentwicklung von Ypsomed bedeute dies eine grosse Unsicherheit. Die Bank nimmt die Einstufung auf "Marktgewichten" von "Übergewichten" zurück.

cf/ra

(AWP)