ZKB-CEO: Spüren Konkurrenz durch Schattenbanken - "Mehr als genug" Eigenkapital

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) verspürt im Hypothekarmarkt laut ihrem CEO Martin Scholl verstärkt die Konkurrenz durch sogenannte Schattenbanken. "Pensionskassen und spezialisierte Anlagegefässe vergeben immer mehr Hypotheken. Das geht am Wachstum der etablierten Banken nicht spurlos vorbei", sagte Scholl in einem am Dienstag online publizierten Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (FuW).
30.05.2017 13:31

Zwar denke er nicht, dass diese Entwicklung die Preisentwicklung am Immobilienmarkt kurzfristig antreibe, so Scholl. Hielten die tiefen Zinsen aber länger an und erhöhten die Vorsorgeeinrichtungen ihre Hypothekarvergabe weiter, werde das den Preisanstieg bei den Eigenheimen unterstützen. Insgesamt hat sich für Scholl der Immobiliensektor im Raum Zürich stabilisiert. "Preisblasen sehen wir kaum." Die ZKB wachse derzeit mit im Hypothekargeschäft mit einer Jahresrate von rund 2,5%, "also etwa im Gleichschritt mit dem Markt".

Den von der ZKB an die Nationalbank bezahlten Negativzins beziffert Scholl für 2016 auf 83 Mio CHF - und 2017 werde der Betrag wohl ungefähr gleich hoch werden. Die Kosten würden von der ZKB weitergegeben - die ganze Sache sei für die Bank deshalb "kostenneutral." Es sei aber falsch zu sagen, dass es nicht weh tue: "Es ist kein Spaziergang, 83 Mio CHF zu kompensieren. Störend ist zudem, dass der Negativzins Banken zwingt, eine widersinnige Haltung einzunehmen."

In "intensiven Diskussionen" mit den Regulatoren ist die ZKB bezüglich der "Too-big-to-fail"-Regelungen. Offen sei die sogenannte Gone-Concern-Komponente - also wie viel zusätzliches Kapital es brauche, um den Fall einer Sanierung oder einer Abwicklung zu unterstützen. "Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass die Too-big-to-fail-Regelung für Banken im Staatsbesitz nicht eins zu eins anwendbar ist." Mit einem harten Eigenkapital von 12 Mrd CHF habe die ZKB bereits "mehr als genug" Kapital, so Scholl.

Nicht präzisieren wollte Scholl den Preis für die Swisscanto-Übernahme. "Der Kaufpreis für Swisscanto wird etwas tiefer sein als erwartet, weil sowohl die übernommenen Volumen als auch der Ertrag etwas unter den ursprünglichen Annahmen liegen", sagt er. Auf den Ertrag drücke nicht zuletzt der Trend Richtung Indexanlagen. Wegen regulatorischer Veränderungen und dem Retrozessionsverbot produzierten zudem etliche Banken einfachere Fonds selbst. "Wir unterstützen sie mit Dienstleistungen."

tp/ra

(AWP)