Zur Rose strebt mit schnellen Schritten an die Börse - 'Ideales Umfeld'

(Zusammenfassung) - Die Versandapotheke Zur Rose strebt noch im Sommer an die Börse. Vor einigen Wochen hiess es noch, ein IPO sei im Laufe des Jahres geplant. Nun kann es Firmengründer und CEO Walter Oberhänsli nicht schnell genug gehen. "Die Situation ist ideal, weiter zu warten wäre sträflich", sagte er im Rahmen einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Donnerstag in Zürich. Und somit soll der Startschuss an der SIX bereits um den 6. Juli herum fallen.
22.06.2017 10:25

Die Preisspanne für die Aktie wird auf 120-140 CHF gesetzt, was einer Marktkapitalisierung von 780-870 Mio CHF entspräche. Damit deckt sich der anvisierte IPO-Preis in etwa mit der jüngsten Kursentwicklung. Am Mittwochabend wurden die Titel im OTC-Handel zu einem Schlusskurs von 130 CHF gehandelt, heute Morgen kamen gut 2,3% auf 133 CHF hinzu.

Generell können sich Aktionäre, die sich frühzeitig über den Nebenwertehandel in die Titel eingeklinkt haben, die Hände reiben. Im vergangenen Sommer bezahlte man für einen Anteilsschein gerade einmal um die 30 CHF, vor 2 Jahren war die Aktie sogar für rund 20 CHF zu haben.

EXPANSION IN EUROPA SOLL VORAN GETRIEBEN WERDEN

Mit einem erwarteten Mittelzufluss von 200 Mio CHF (230 Mio wenn der Greenshoe vollständig ausgeübt wird), will Zur Rose die Wachstumsinitiativen beschleunigen und expandieren.

Die Position als führende "pure-play"-Versandapotheke Europas soll gestärkt und ausgebaut werden. Welcher Markt genau anvisiert wird, ist dabei noch nicht entschieden. "Wir können uns Frankreich als nächst grösseren Markt für OTC vorstellen, aber auch in den nordischen Ländern ist sowohl der rezeptpflichtige Versand als auch der OTC-Handel möglich", sagte Oberhänsli. Europa sei im Arzneimittelversand noch so etwas wie eine "grüne Wiese", es gäbe viele Optionen.

Wachsen will Zur Rose auch über Akquisitionen. In Deutschland steht das Unternehmen bereits vor einer Übernahme, man habe eine Absichtserklärung unterschrieben. "Das Ziel können wir in den laufenden Verhandlungen natürlich nicht nennen", sagte der CEO. Man wolle aber weiterhin im dritten Quartal die Transaktion abschliessen.

Insgesamt sollen für die Expansion und entsprechende Zukäufe 60-80 Mio CHF vom IPO-Kuchen genutzt werden. Zudem soll die im Dezember 2017 fällige Unternehmensanleihe über 50 Mio CHF zurückgekauft werden.

DEUTSCHER MARKT SEHR ATTRAKTIV - 'WOLLEN SELBSTÄNDIG BLEIBEN'

Nachdem der europäische Gerichtshof nun die Grundlagen für Wettbewerb im Bereich des Arzneimittelversands geschaffen habe, sei ein gewisses Momentum in den Markt gekommen. Zur Rose, in Deutschland DocMorris, habe einen grossen Bekanntheitsgrad und wolle diesen Vorsprung nun nutzen. Mit weiteren Wettbewerbern sei zu rechnen, man würde sich über etwas "Belebung" sogar freuen. "Aber unser Vorsprung ist schon gigantisch", so der CEO.

Insgesamt dürfte der deutsche Markt für Arzneimittelversand einer Studie von Sempora zufolge, die Zur Rose heranzieht, sich in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. Eine eigene Prognose darf das Unternehmen im Zuge des Börsengangs nicht geben, wie es hiess. Entsprechend bewege sich der eigene Wachstumsplan im Rahmen dieser Studienerwartungen. Die gerade erst 2015 erweiterte Logistik von Zur Rose sei auf dieses Wachstum ausgelegt, ergänzt Deutschland-Chef Olaf Heinrich.

Die Gefahr einer möglichen Übernahme durch einen grossen Player im Online-Handel nach dem Börsengang sei natürlich nicht auszuschliessen. "Aber wir möchten gern selbständig bleiben", so der CEO. Zudem habe man mit Corisol, die über KWE eine Beteiligung von 20,8% halten, einen relativ grossen Ankeraktionär. Dies würde eine Übernahme wenigstens erschweren.

dm/ra

(AWP)