Zurich verkauft Tochtergesellschaften in Marokko und Taiwan

(Meldung vom Freitagabend mit Analystenstimmen und Aktienkurs ergänzt)
20.06.2016 10:24

Zürich (awp) - Die Zurich Insurance Group verkauft die Tochtergesellschaften der Sachversicherungssparte General Insurance in Marokko und in Taiwan. Die weitere Umgestaltung des Geschäfts steht im Zeichen der am Investorentag im Mai 2015 angekündigten Strategieüberprüfung. Demnach will sich die Zurich geographisch auf jene Länder mit dem höchsten Potenzial konzentrieren und sich entsprechend aus gewissen Märkten zurückziehen.

Zwar hätten die Märkte in Marokko und Taiwan durchaus Wachstumspotential, doch bei der Analyse der Geschäfte in den beiden Ländern habe sich ergeben, dass ein Verkauf die beste Option darstelle, teilte Zurich am Freitagabend mit. Die Einheiten seien bei anderen Gesellschaften besser aufgehoben.

WEITERE VERKÄUFE

Die Evaluation des marokkanischen Geschäfts habe ergeben, dass dieses seitens der Zurich zu hohe Investitionen erfordert hätte, um ein genügendes Niveau zu erreichen, so die Mitteilung weiter. Die marokkanische Tochter wird an die Allianz-Gruppe zu einem Preis von 244 Mio EUR verkauft, wie die deutsche Versicherungsgruppe ihrerseits mitgeteilt hatte. Der Verkauf werde vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden bis Ende 2016 abgeschlossen.

Die Zurich Assurances Maroc zählt mehr als 600'000 Kunden, ist der siebtgrösste Schaden- und Unfallversicherer im nordafrikanischen Land und hat zudem eine Lizenz für das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft. Die gebuchten Bruttoprämien beliefen sich 2015 auf 130 Mio USD, der Nettoertrag betrug 4,8 Mio USD.

Käuferin der taiwanesischen Tochter ist die Hotai Motor, die dafür laut eigenen Aussagen einen Preis von 198 Mio USD bezahlt. Der sich im Familienbesitz befindende taiwanesische Toyota-Partner habe sich in einem Bieterverfahren durchgesetzt, in welchem auch sichergestellt worden sei, dass alle Rechte und Verpflichtungen von Kunden vollständig gewährleistet blieben, so die Zurich.

Die Bruttoprämien im Taiwan-Geschäft beziffert der Versicherer auf 118 Mio USD, der Nettoertrag belief sich auf 10,6 Mio USD. Der Markt in Taiwan sei zwar attraktiv, allerdings sehe die Zurich für ihr Versicherungsgeschäft nur eine beschränkte Perspektive.

Bereits im November des vergangenen Jahres hatte die Gruppe den schrittweisen Rückzug aus Teilen des Sachversicherungsgeschäfts im Nahen Osten eingeleitet. Weiter ist die Zurich etwa auch aus dem Privatkundengeschäft in den Niederlanden sowie bereits im Jahr 2014 aus jenem in Russland ausgestiegen.

ATTRAKTIVE KONDITIONEN

Die Geschäftsteile in Marokko und Taiwan seien zu überraschend attraktiven Preisen verkauft worden, meint Stefan Schürmann von der Bank Vontobel. Er rechnet aus den beiden Transaktionen mit einem Vorsteuergewinn von insgesamt 350 Mio USD für die Zurich. Damit könne die Gruppe die im laufenden Jahr für die tiefgreifende Restrukturierung erwarteten Kosten von rund 500 Mio USD teilweise auffangen.

ZKB-Analyst Georg Marti schreibt indes von einem "kleinen Abrundungsverkauf" der Zurich in Marokko. Es handle sich um eine insgesamt kleine Transaktion, welche die Geschäftsstruktur der Zurich-Gruppe nicht massgeblich verändere. Marti geht davon aus, dass weitere solche Verkäufe folgen dürften. Gerüchteweise stehe derzeit der Rückzug aus Südafrika zur Diskussion.

An der Börse gewinnen die Zurich-Aktien in einem stark avancierenden Gesamtmarkt ebenfalls deutlich an Wert. Bis um 10.10 Uhr klettern sie um 2,2% auf 230,30 CHF in die Höhe und liegen damit im Mittelfeld des Leitbarometers SMI, welches um 1,8% zulegt.

tp/ra/mk/uh

(AWP)