Zweite chinesische Bank könnte schon bald in die Schweiz kommen

Genf (awp/sda) - Schon bald könnte eine weitere chinesische Grossbank in die Schweiz expandieren. Dies sagte Yves Mirabaud in einem Interview in der Mittwochausgabe der Wirtschaftszeitung "L'Agefi".
30.11.2016 16:24

Es sei wohl nur noch eine Frage der Zeit bis eine weitere chinesische Grossbank in der Schweiz ihre Türen öffne, sagte Mirabaud, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken und der Fondation Genève place financière (FGPF), nach Gesprächen mit Vertretern einer chinesischen Grossbank.

Mediengerüchten zufolge könnte es sich bei der zweiten chinesischen Grossbank um die Bank ICBC (Industrial and Commercial Bank of China) handeln. An der Bilanz gemessen ist sie die weltweite grösste Bank und in mehr als 12 europäischen Hauptstädten präsent.

Die China Construction Bank ist bis anhin die einzige chinesische Bank mit Niederlassung in der Schweiz. Sie startete ihre Geschäftstätigkeit Anfang Jahr in Zürich. Auf die Frage hin ob der Genfer Finanzplatz nicht attraktiv genug sei, widersprach Yves Mirabaud. Genf habe in der Verwaltung von Privat- und Unternehmensvermögen gute Karten und sei in der Finanzierung des Rohstoffhandels weltweit bekannt.

FINANZDIALOG IN GENF

Vor zwei Wochen fand die vierte Runde der schweizerisch-chinesischen Gespräche in Finanzfragen in Genf statt. Dabei standen unter anderem der weitere Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit und der gegenseitige Marktzutritt im Zentrum. Im Anschluss folgte das dritte Treffen des "Chinese-Swiss Financial Round Table".

Die FGPF gehörte dabei zu den Mitorganisatoren. Laut Präsident Yves Mirabaud würden die Chinesen der Tradition eine grosse Bedeutung beisteuern und ein grosses Interesse an der Geschichte und den Kompetenzen der Schweiz zeigen, insbesondere in der Vermögensverwaltung.

Auch Patrick Odier, der geschäftsführende Teilhaber der Genfer Privatbank Lombard Odier rechnet mit einer baldigen Eröffnung einer weiteren chinesischen Grossbank. Dies sagte Odier, der den "Chinese-Swiss Financial Round Table" präsidierte, jüngst im Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung".

Odier sieht vor allem in den Bereichen Rohstoffhandel, Vermögensverwaltung sowie bei der Unternehmensfinanzierung Potenzial. Der Renminbi avanciere zu einer offiziellen Reservewährung und sei inzwischen relativ frei konvertierbar. Damit beginne sich die chinesische Währung auch im Bereich der Finanzierung des Rohstoffhandels zu etablieren.

(AWP)