Aussenhandel nach erstem Halbjahr im Plus - Juni verhalten

(Zusammenfassung)
21.07.2016 12:50

Bern (awp/sda) - Der Schweizer Aussenhandel ist im ersten Halbjahr zwar gewachsen. Doch ohne den Schwung aus der Pharma- und Chemiebranche wären die Exporte negativ ausgefallen. Vor allem die Uhrenindustrie und die Maschinenhersteller stehen unter Druck.

Diese Branchen spüren die Hemmungen der Investoren und die Zurückhaltung der Konsumenten. Bei den Uhren beispielsweise brachen die Exporte um mehr als 10% weg. Zu schaffen machen der Uhrenbranche zusätzlich die Antikorruptionskampagnen und die hohen Steuern auf Luxusgüter in China. Der Markt in Hongkong etwa, wo chinesische Käufer sich früher gerne mit Luxusuhren eingedeckt haben, ist regelrecht zusammengebrochen.

Die Branchen Maschinen und Elektronik entwickelten sich mit einem Rückgang von 0,7% ebenfalls unter Vorjahr. Damit sind zweit- und drittgrösste Warengruppe in der Statistik des Schweizerischen Aussenhandels negativ.

Doch die umsatzmässig grösste Warengruppe, die der chemisch-pharmazeutischen Produkte, überstrahlt die Entwicklung mit einem Plus von 15%. Insgesamt wuchsen die Exporte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 5,1% auf 105,4 Mrd CHF, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) am Donnerstag mitteilte. Real, also preisbereinigt, liegen die Exporte mit einem Rückgang von 0,7% unter Vorjahr.

STÜTZE

Dass sich die Chemie und Pharma als Stützen des Aussenhandels erweisen, begründen die Experten der Eidgenössischen Zollverwaltung auch mit der Verkaufslogik dieser Branchen. So tragen im Gesundheitswesen beispielsweise nicht die Patienten die Kosten, sondern können diese überwälzen an Krankenkassen.

Zudem können sich in aufstrebenden Schwellenländern immer mehr Menschen teurere Behandlungen leisten. Medikamentenpreise lassen sich quasi steigern, ohne dass die Erhöhung den Nachfragern auf den Magen schlägt. Pharmazeutika, Vitamine und Diagnostika-Produkte etwa sind im ersten Halbjahr nominal um fast 19% mehr ins Ausland verkauft worden. Real, also bereinigt um die Preisentwicklung, beträgt das Plus nur 3,2%.

Exemplarisch spiegelt sich die Entwicklung des Aussenhandels auch in den ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Unternehmensergebnissen: Der Pharma-Konzern Roche verzeichnet Umsatzplus, während beim Uhrenkonzern Swatch und beim Industrieunternehmen ABB die Umsätze zurückgefallen sind.

GRÖSSERE SCHERE

Die Importe stiegen um 3,9% auf 86 Mrd CHF. In der Handelsbilanz resultiert darum ein Überschuss von 19,3 Mrd CHF. Das ist ein neuer Rekord und eine Fortsetzung des Trends. Die Schere zwischen Import- und Export wird seit Monaten immer grösser.

Geografisch betrachtet stiegen die Exporte vor allem nach Nordamerika (+16%) und nach Europa (+5%), während sie nach Asien insgesamt stagnierten. Allerdings zeigt sich ein widersprüchliches Bild: Nach Singapur oder auch China etwa nahmen die Exporte um 11 respektive 9% zu, nach Hongkong gingen sie um 15% zurück. Grund für den Rückgang in Hongkong sind die Uhren.

Bei den Importen gingen die Einfuhren aus Lateinamerika zurück (-29%), aus Nordamerika (+24%) oder auch Europa (+3%) nahmen sie hingegen zu.

JUNI VERHALTEN

Allein im Monat Juli entwickelte sich der Schweizer Aussenhandel verhalten. Die Exporte und die Importe nahmen um je 1,5% auf 18,2 Mrd bzw. 14,7 Mrd CHF zu, real hingegen sanken sowohl die Ausfuhren (-5,5%) wie auch die Einfuhren (-3,6%) deutlich. Die Handelsbilanz wies entsprechend einen Überschuss von 3,5 Mrd CHF auf. Verglichen mit Mai 2016 (saisonbereinigt) nahmen die Exporte um 3,1% (real: -3,3%) ab, während die Importe um 3,2% (real: -4,0%) sanken.

uh/

(AWP)