Australische Notenbank senkt Leitzins auf Rekordtief

(Ausführliche Fassung)
02.08.2016 08:18

SYDNEY (awp international) - Die australische Notenbank hat ihren Leitzins auf den niedrigsten Stand in der Geschichte gesenkt. Der Zinssatz werde von 1,75 auf 1,50 Prozent reduziert, teilte die Reserve Bank of Australia am Dienstag in Sydney mit. Notenbankchef Glenn Stevens begründete den Schritt vor allem mit der schwachen Inflation. Experten hatten mehrheitlich mit der geldpolitischen Lockerung gerechnet.

Die Teuerungsrate bleibe niedrig, so Stevens laut der Mitteilung zur Zinsentscheidung. "Angesichts eines sehr gedämpften Wachstums der Arbeitskosten und sehr niedrigen Kostendrucks andernorts in der Welt dürfte dies für einige Zeit andauern." Vom Arbeitsmarkt seien zuletzt durchmischte Signale gekommen. Eine lockere Geldpolitik könne dabei helfen, nachhaltiges Wachstum zu sichern.

Ähnlich hatte sich der Notenbankchef bereits nach der vorangegangenen Zinsentscheidung im Juli geäussert, als die Währungshüter zwar ihre Geldpolitik unverändert liessen, gleichzeitig aber Hinweise auf mögliche künftige Lockerungen gaben.

Zudem gebe es Probleme in einigen Schwellenländern, so Stevens am Dienstag. Explizit nannte er China, einen wichtigen Handelspartner Australiens. Auf Konjunkturprogramme seitens der Regierung zur Stützung der australischen Wirtschaft können die Notenbanker in Sydney derzeit eher nicht hoffen. Die konservative Regierung hatte zuletzt betont, die Verringerung des Staatsdefizits habe Priorität.

Ein wesentliches Hindernis für geldpolitische Lockerungen in Australien sind seit geraumer Zeit zwar Risiken am Häusermarkt. Hier habe sich aufgrund nur moderat gestiegener Häuserpreise zuletzt aber eine Entspannung gezeigt, meint Antje Praefcke, Expertin bei der Commerzbank. "Grund genug, diese Konstellation zu nutzen, um den Zins zu senken und den Australischen Dollar unter Druck zu setzen." Allerdings hätten sich die Währungshüter laut Praefcke auch mehr Zeit nehmen können. Nun habe man "einiges Pulver verschossen".

Beim Wechselkurs zumindest blieb das Pulver weitgehend wirkungslos. Nur kurzzeitig gab der Australische Dollar etwas nach. Zuletzt bewegte er sich wieder ungefähr auf dem Ausgangsniveau. Eine schwache heimische Währung ist für Notenbanker in der Regel ein erwünschter Nebeneffekt einer lockeren Geldpolitik, da sie die heimische Exportwirtschaft stützt./tos/fbr

(AWP)