Bahn gewinnt im Güterverkehr durch die Alpen Marktanteile

Bern (awp/sda) - Die Bahn hat im alpenquerenden Güterverkehr gegenüber der Strasse weitere Marktanteile gewonnen. Im ersten Halbjahr 2016 sind erstmals wieder weniger als 500'000 Lastwagen über die Schweizer Alpen gefahren.
21.09.2016 11:38

Insgesamt sind im ersten Semester dieses Jahres 20,8 Millionen Tonnen Güter über die Schweizer Alpen transportiert worden, wie das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Mittwoch mitteilte. Das waren 4,6% mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres.

Der Bahnanteil am gesamten alpenquerenden Güterverkehr stieg dabei auf 71,2%. Das sind 2,9 Prozentpunkte mehr als im ersten Semester 2015. Das ist gemäss BAV der höchste Wert seit der Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) und der schrittweisen Anhebung der 40-Tonnen-Limite seit 2001.

Die Zahl schwerer Güterfahrzeuge auf der Strasse nahm im Vorjahresvergleich um 3,8% auf 496'000 Fahrten ab. Damit querten laut BAV erstmals wieder weniger als 500'000 schwere Güterfahrzeuge die Alpen.

Diese Entwicklung werde durch die veränderte Wechselkurssituation für ausländische Fahrzeuge und der damit effektiv höheren LSVA unterstützt. Allerdings dürften die auf niedrigem Niveau stagnierenden Dieselpreise den Effekt abschwächen.

STARKE ZUNAHME AM SIMPLON

An den beiden wichtigsten Übergängen Gotthard (-5,5%) und San Bernardino (-4,8%) ging der Verkehr zurück. Am Grossen St. Bernhard wurde sogar ein Rückgang um 9,1% gegenüber der Vorjahresperiode verzeichnet. Am Simplon dagegen wuchs die Zahl der Fahrten um 18,3%, was auf witterungsbedingte Einflüsse im Vorjahr zurückgeführt wird.

Im Gegensatz zur Entwicklung an den Schweizer Alpenübergängen hat sich laut BAV am Brenner die Zahl der Fahrten im ersten Halbjahr um 8,2% erhöht. Am Mont Blanc nahm die Zahl im gleichen Zeitraum um 1,7% zu, am Fréjus um 4,9%.

Das Transportaufkommen in Tonnen auf der Strasse ging mit 2,1% weniger stark zurück als die Anzahl der alpenquerenden Fahrten (-3,9%). Grund für den schwächeren Rückgang beim Transportaufkommen sei die leichte Verschiebung von Sattelzügen hin zu den weniger stark ausgelasteten Lastenzügen und Lastwagen.

GOTTHARD NOCH IM MINUS

Das Transportaufkommen im alpenquerenden Schienengüterverkehr hat im ersten Halbjahr um 7,7% zugenommen, wie das BAV weiter schreibt. Insgesamt überquerten 14,8 Millionen Tonnen Güter die beiden Schweizer Alpenübergänge auf der Schiene. Damit habe sich das bereits in den Jahren 2013 bis 2015 beobachtete Wachstum auf erfreulich hohem Niveau fortgesetzt.

Von beiden Übergängen im Schienenverkrehr habe nur der Simplon (plus 22,7%) Anteil am Wachstum, wogegen das Verkehrsaufkommen am Gotthard mit minus 2,5% leicht rückläufig gewesen sei. Der Gotthard bleibe aber mit einem Anteil von knapp 54% weiterhin der Übergang mit dem grösseren Anteil am alpenquerenden Schienengüterverkehr durch die Schweiz.

Das BAV erwartet, dass von der fahrplanmässigen Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels am 11. Dezember positive Signale für den Verlagerungsprozess ausgehen dürften. Jedoch erlaube dessen Nutzung bis zur Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels und des für 2020 vorgesehenen Vier-Meter-Korridors am Gotthard in den kommenden Jahren noch keine signifikanten Produktionsverbesserungen.

WEITERE AUSBAUSCHRITTE IN ARBEIT

Grösste Herausforderung im Jahr 2017 sei aus heutiger Sicht die stark eingeschränkte Infrastrukturverfügbarkeit. Infolge Bauarbeiten für den Vier-Meter-Korridor sei die Luino-Strecke während praktisch dem gesamten zweiten Halbjahr 2017 gesperrt.

Die Alpen-Initiative äusserte sich erfreut über die Entwicklung. Mit zusätzlichen Massnahmen wie einer CO2-Limite für Lastwagen oder der Einführung einer Alpentransitabgabe lasse sich das Ziel von maximal 650'000 alpenquerenden Lastwagen pro Jahr erreichen.

cp/

(AWP)