Bank of England greift nach Brexit-Votum ein

(Neu: Mehr Details und Reaktionen)
04.08.2016 13:54

LONDON (awp international) - Die britische Notenbank ist im Kampf gegen negative wirtschaftliche Folgen des Brexit-Votums zur Tat geschritten und hat sechs Wochen nach dem Referendum ihre Geldpolitik deutlicher als erwartet gelockert. Der Leitzins werde von 0,50 Prozent auf 0,25 Prozent verringert, teilte die Bank of England am Donnerstag in London mit. Damit liegt der Zinssatz auf einem neuen Rekordtief. Ausserdem beschlossen die Notenbanker eine Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms und kündigten an, künftig auch Unternehmensanleihen zu kaufen.

Mit der Leitzinssenkung hatten Experten mehrheitlich gerechnet. Die Ausweitung der Anleihekäufe galt dagegen vorab als eher unwahrscheinlich. Bei einer ersten Zinssitzung nach dem Votum hatte die Notenbank Mitte Juli noch von einer Leitzinssenkung abgesehen.

Die Währungshüter erhöhten am Donnerstag das angepeilte Gesamtvolumen von derzeit 375 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund. Die Entscheidung bedeutet, dass die Notenbank nun wieder Wertpapiere kaufen wird. Das bisherige Gesamtvolumen war bereits ausgeschöpft gewesen. Bankvolkswirte waren mehrheitlich von einem unveränderten Volumen ausgegangen.

BOE KAUFT AUCH UNTERNEHMENSANLEIHEN

Darüber hinaus wird die Notenbank künftig Unternehmensanleihen kaufen. Über 18 Monate sollen Papiere im Wert von bis zu 10 Milliarden Pfund erworben werden, hiess es weiter. Die Aussichten für die britische Wirtschaft hätten sich nach dem Brexit-Votum deutlich abgeschwächt, so die Währungshüter.

Trotz des Brexit-Votums rechnet die Bank of England aber nicht mit einem Abrutschen der britischen Wirtschaft in die Rezession. Vielmehr gehen die Währungshüter davon aus, dass die Wirtschaft nach einem starken ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte weiterhin noch etwas wachsen wird. Nach zum Teil sehr schwachen Stimmungsdaten aus der britischen Wirtschaft hatten einige Experten eine Rezession in Grossbritannien erwartet.

MARKTERWARTUNGEN ÜBERTROFFEN

"Mit der Wiederbelebung des Anleihekaufprogramms wurden die Markterwartungen übertroffen", sagt Ulrich Wortberg, Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Neben den Massnahmen sei dabei auch entscheidend, dass die Währungshüter für die Zukunft weitere Massnahmen in Aussicht gestellt haben.

Das britische Pfund gab im Anschluss an die Entscheidungen deutlich nach und verlor im Verhältnis zum US-Dollar zwei Cent an Wert. Die Renditen britischer Anleihen gerieten ebenfalls unter Druck. Auch am deutschen Aktienmarkt machten sich die Entscheidungen bemerkbar. Der deutsche Aktienindex Dax zog an, blieb aber unter seinem Tageshoch./tos/jkr/stb

(AWP)