Bank of England kann nach QE-Startproblemen aufatmen

(neu: Kaufresultate vom Mittwoch, erster und zweiter Absatz neu gefasst.)
10.08.2016 17:17

LONDON (awp international) - Die britische Notenbank kann nach anfänglichen Problemen mit ihrer neuen Geldschwemme erst einmal aufatmen. Am Mittwoch schaffte es die Bank of England, so viel Geld in den Markt zu pumpen wie beabsichtigt. Am Dienstag war ihr das überraschenderweise nicht gelungen. Allerdings griff die Notenbank zur Wochenmitte auf Papiere mit überwiegend kürzerer Laufzeit zurück, die unter Anlegern weniger begehrt sind. Das könnte auch das hohe Angebot erklären, auf das die Zentralbank zurückgreifen konnte.

Wie die Notenbank am Mittwochnachmittag mitteilte, wurden ihr deutlich mehr Staatspapiere zum Kauf angeboten, als von ihr angepeilt. Beabsichtigt war ein Erwerb im Wert von 1,17 Milliarden Britische Pfund, der reibungslos vonstatten ging. Das Angebot lag bei 5,5 Milliarden Pfund und damit fast fünf Mal so hoch wie die Nachfrage der Bank of England. Am Dienstag hatte das Angebot dagegen nicht ausgereicht, um die Nachfrage der Notenbank zu bedienen.

Zur Abfederung der wirtschaftlichen Brexit-Folgen hatte die Bank of England am vergangenen Donnerstag verkündet, innerhalb eines halben Jahres Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Pfund erwerben zu wollen. Damit sollen das Zinsniveau gedrückt und die Konjunktur angeschoben werden. Die neuen Käufe wurden zusammen mit anderen geldpolitischen Lockerungen wie einer neuerlichen Zinssenkung und einem Programm zur Ankurbelung der Kreditvergabe beschlossen.

Zur Überraschung von Experten hatte es die Bank of England am Dienstag nicht geschafft, das von ihr angepeilte Volumen an Wertpapieren zu erwerben. Anstatt der angestrebten 1,17 Milliarden Pfund konnte die Zentralbank nur Anleihen über 1,12 Milliarden Pfund kaufen. Die entstandene Lücke von rund 50 Millionen Pfund ist zwar nicht gross, aber eine Seltenheit. In aller Regel haben Notenbanken keine Probleme mit derartigen Transaktionen, zumal die Bank of England am Dienstag bereit war, höhere Preise als die am Markt gehandelten Kurse zu zahlen.

In einer ersten Reaktion auf die Probleme zeigte sich die Bank of England gelassen. Am Mittwochvormittag teilte sie mit, der Fehlbetrag werde in der zweiten Hälfte des sechs Monate laufenden Kaufprogramms berücksichtigt. Beobachter zeigten sich allerdings verwundert über den schwachen Start der neuen Geldschwemme. Dirk Gojny von der Essener Nationalbank stellte die Schwierigkeiten heraus, die in der Umsetzung quantitativer Lockerungen (Quantitative Easing, QE) mittlerweile auftreten können. Ähnlich kommentierten Volkswirte vom Bankhaus Metzler.

Ein grundsätzliches Problem ist, dass die britische Notenbank bereits einen erheblichen Teil der verfügbaren Staatsanleihen in ihren Büchern hält. In einer ersten Welle hatte die Bank of England nach der Finanzkrise von 2009 bis 2012 Staatspapiere im Wert von 375 Milliarden Pfund erworben. Dies entspricht etwa einem Drittel des Marktvolumens an britischen Staatsanleihen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Notenbank in einer Phase mit bereits niedrigen Renditen wieder aktiv wird. Wertpapierinhaber, die im Besitz älterer und höherverzinster Staatsanleihen sind, werden es sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus wohl gut überlegen, ob sie sich von ihren höherverzinsten Papieren trennen wollen.

Experten verweisen zudem darauf, dass langlaufende Staatsanleihen zu denjenigen Wertpapierarten gehören, die im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch einigermassen akzeptable Renditen abwerfen. Auf diese Papiere haben es aber nicht nur Anleger, sondern auch Notenbanken wie die Bank of England abgesehen. Denn im Rahmen von QE wollen sie vor allem die Renditen langlaufender Papiere drücken, die sie mit ihrer herkömmlichen Geldpolitik weniger stark unter Kontrolle haben./bgf/tos/he

(AWP)