Bank of England lockert Geldpolitik vorerst nicht weiter (AF)

(Ausführliche Fassung)
15.09.2016 13:45

LONDON (awp international) - Die britische Notenbank hat ihre Geldpolitik vorerst nicht weiter gelockert, allerdings ihre Bereitschaft zu einer zusätzlichen Zinssenkung signalisiert. Gut einen Monat nach einer grossen Lockerungsrunde wurden am Donnerstag zunächst keine weiteren Schritte ergriffen, wie die Bank of England in London mitteilte. Bankvolkswirte hatten damit gerechnet. Sollte sich die Konjunktur aber erwartungsgemäss entwickeln, kann sich eine Mehrheit der Notenbanker eine weitere Lockerung vorstellen.

Zunächst bleibt der Leitzins jedoch bei 0,25 Prozent. Dorthin hatte ihn die Bank of England im August verringert. Das Staatsanleihekaufprogramm, das ebenfalls im August reaktiviert wurde, weist damit ein unverändertes Volumen von 435 Milliarden Pfund auf. Hinzu kommt ein Betrag von 10 Milliarden Pfund, der in Unternehmensanleihen investiert werden soll. Anfang August hatte die Notenbank ihre Geldpolitik stark gelockert, um befürchtete Verwerfungen infolge des Brexit-Votums vorzubeugen. Neben einer Zinssenkung und Anleihekäufen wurde ein neues Programm zur Stützung der Kreditvergabe aufgelegt.

An der konjunkturellen Einschätzung der Notenbank hat sich unterdessen nicht besonders viel geändert. Es sei nach wie vor mit einer wirtschaftlichen Abschwächung im zweiten Halbjahr 2016 zu rechnen, teilte die Zentralbank mit. Allerdings dürfte die Abschwächung weniger stark ausfallen als befürchtet. Jüngste Konjunktur- und Stimmungsdaten seien etwas besser ausgefallen als erwartet, begründete die Notenbank ihre Haltung. Sollte sich das grundlegende Konjunkturbild jedoch im November bestätigen, könnten sich die meisten Notenbanker eine zusätzliche Zinssenkung vorstellen. Im November legt die Notenbank neue Prognosen vor.

Im Falle einer weiteren Zinssenkung wäre die Zinsuntergrenze (Lower Bound) erreicht, teilte die Notenbank mit. Diese Grenze liege nahe, aber leicht über null Prozent. Negativzinsen, wie sie beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) zur Wirtschaftsbelebung einsetzt, scheiden damit aus. Notenbankchef Mark Carney hat sich schon mehrfach klar gegen das umstrittene Instrument ausgesprochen./bgf/jsl/stb

(AWP)