Baumeisterverband und CS warnen vor Investitionsblase im Hochbau

(Ausführliche Fassung) - Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) und die Credit Suisse machen im Wohnungsbau in der Schweiz eine zweifelhafte Entwicklung aus. Zwar profitiere die Baubranche zurzeit vom Bauboom. Gleichzeitig werde dieser in einigen Jahren zu einem Umsatzrückgang führen, warnen die Grossbank und der Verband.
22.02.2017 17:00

Die Baubranche hat so gute wirtschaftliche Aussichten wie noch nie in diesem Jahrhundert. Nach einer Schwäche Mitte 2015 befindet sich der Bauindex der Credit Suisse (CS) und des Baumeisterverbandes (SBV) seit jetzt drei Quartalen auf einem Rekordniveau.

Der Verband und die Grossbank sehen darin aber auch Nachteile. Denn zurzeit hätten die hohen Umsätze beim Hochbau den Charakter eines Vorschusses, der künftig die Auftragseingänge belasten werde, schreiben CS und SBV in einer Mitteilung am Mittwoch.

Die Warnung vor einer Investitionsblase gilt vor allem für den Wohnungsbau. Weil im aktuellen Tiefzinsumfeld mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten immer noch sehr viel Geld in den Wohnungsbau fliesst, werden zurzeit mehr Wohnungen gebaut als benötigt.

Das wird sich jedoch früher oder später rächen. Der Wohnungsbau wird irgendwann in der Zukunft rückläufig sein müssen, bis das Überangebot abgebaut ist. Die Korrektur wird dabei je nach Entwicklung mehr oder weniger heftig ausfallen. "Wenn es so weitergeht wie bisher, kann es eine harte Landung geben", sagt Silvan Müggler vom SBV auf Anfrage.

HARTE LANDUNG MÖGLICH

Das ist zwar für den Baumeisterverband und die Grossbank nicht das wahrscheinlichste Szenario. Sollten jedoch die Zinsen sprunghaft ansteigen oder die Konjunktur einbrechen, sei auch mit einer starken Preiskorrektur am Wohnungsmarkt mit entsprechenden Folgen für die Bauwirtschaft zu rechnen, sagt Fabian Waltert von der CS. Für Müggler stellt ein markanter Rückgang der Einwanderung die grösste Gefahr für die Baubranche dar.

Weder der SBV noch die CS geben dabei eine Prognose ab, wie stark in einem solchen Fall die Umsätze des Baugewerbes einbrechen würden. Für Müggler vom Baumeisterverband ist jedoch klar, dass die Baubranche "sehr stark betroffen wäre". Beim Bauhauptgewerbe mache der Wohnungsbau immerhin rund ein Drittel des Umsatzes aus.

Waltert verweist an Stelle einer Prognose auf den Umsatzzuwachs im vergangenen Jahr von rund 10%, der bei einem Einbruch sicher gefährdet wäre, wie er sagt. Aber auch ohne Einbruch empfiehlt Credit Suisse den Baumeistern bereits jetzt auf den absehbaren Umsatzrückgang zu reagieren. Sie sollten heute in kostensenkende und effizienzsteigernde Methoden und Technologien investieren, schreibt die Grossbank. Als konkrete Massnahmen nennt die Credit Suisse die Digitalisierung sowie die Optimierung der Bauabläufe.

mk

(AWP)