Bei Wohneigentum erwartet Credit Suisse in kommenden Quartalen Preisstagnation

Die Zeiten stetig steigender Preise für Wohneigentum sind in der Schweiz passé. In den kommenden Quartalen erwartet die Credit Suisse nur noch eine schwach negative Preisentwicklung beziehungsweise eine Stagnation.
08.06.2017 11:11

2016 sei nach einer 14jährigen Periode eines stetig steigenden Preisauftriebs für Schweizer Wohneigentum eine Ära zu Ende gegangen, schreibt die Credit Suisse in ihrem am Donnerstag erschienenen Immobilienmonitor. Ende 2016 lagen die Preise erstmals nach so vielen Jahren unter dem Vorjahreswert. Dabei waren in der Mehrheit der Regionen die Wohneigentumspreise leicht rückläufig.

Spürbar gesunken sind in den letzten vier Quartalen die Preise für mittlere Eigentumswohnungen (-4,1%). Ein kleines Preiswachstum (+0,4%) wurde einzig noch bei mittleren Einfamilienhäusern verzeichnet, die über mehrere Jahre hinweg geringere Presissteigerungen erfahren hatten als Eigentumswohnungen. Dabei schnitten gemäss CS in fast allen Regionen Einfamilienhäuser bezüglich Preiswachstum besser ab. Einzig in Zug sind die Preise von Eigentumswohnungen stärker gestiegen als jene für Einfamilienhäuser.

VERLAGERUNG DER WOHNEIGENTUMSNACHFRAGE

Als Hauptgrund für diese veränderte Ausgangslage identifiziert die Credit Suisse die Verlagerung der Wohneigentumsnachfrage von Zentren in die Peripherie. Dort ist Wohneigentum noch erschwinglicher als in den Zentren, womit einerseits Wohneigentum für Haushalte in dieser Region bezahlbar bleibt und anderseits Haushalte aus teureren Regionen, die auf der Suche nach erschwinglichem Eigentum sind, anzieht.

Die geringere Nachfrage nach Eigentumswohnungen spiegle sich auch in einer verminderten Projektierung von Stockwerkeigentum, heisst es weiter. So wurden in den letzten zwölf Monaten 18% weniger Eigentumswohnungen bewilligt als im Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern waren es 1,6% weniger.

Trotz des Rückgangs der Bautätigkeit bleibe die Ausweitung an Wohneigentum im historischen Kontext aber auf einem durchschnittlichen Niveau. Es müsse also eher von einer Normalisierung als von einem Einbruch der Bautätigkeit gesprochen werden, schreibt die CS.

LANDKNAPPHEIT STÜTZT WERT VON EINFAMILIENHÄUSERN

Die Preise dürften gemäss den Autoren des Monitors in der nächsten Zeit mehr oder weniger stagnieren. Gegen stärkere Preiskorrekturen sprächen die nach wie vor sehr tiefen Zinsen sowie die gedrosselte Neubautätigkeit. Weil immer mehr Haushalte die erhöhten regulatorischen Anforderungen an die Finanzierung nicht mehr erfüllen, seien aber auch kräftige Preisanstiege in den nächsten Quartalen sehr unwahrscheinlich, so die Credit Suisse weiter.

Zudem hätten in den letzten Quartalen insbesondere Regionen mit noch überschaubaren Preisniveaus ein starkes Preiswachstum an den Tag gelegt. Dies habe zur Folge, dass auch in diesen Regionen Haushalte ohne überdurchschnittliche Einkommen die Tragbarkeitskriterien beim Erwerb von Wohneigentum vermehrt nicht mehr erfüllen würden.

Einfamilienhäuser dürften dabei weiter höhere Preise als Eigentumswohnungen aufweisen. Denn zum einen haben sie in den Zentren, wo sie vermehrt Ersatzneubauten mit Eigentumswohnungen Platz machen, Seltenheitswert, was die Preise stützt. Zum andern wird aufgrund neuer Anforderungen an die Einzonung von Bauland durch das Raumplanungsgesetz Bauland auch ausserhalb der Zentren knapper. Weil Einfamilienhäuser typischerweise einen grösseren Landwertanteil aufweisen würden, sei deren Wertentwicklung zur Zeit stärker als diejenige von Eigentumswohnungen, hält die Credit Suisse fest.

Vor dem Hintergrund happiger Preissprünge in der Vergangenheit und der ab 2010 immer lauter geäusserten Ängste vor einer erneuten Immobilienkrise in der Schweiz entspricht die jüngste Entwicklung gemäss CS dem Wunschergebnis der Regulatoren.

sig/cp

(AWP)