BIP wächst im zweiten Quartal 2016 deutlich schneller als erwartet

(Ergänzt mit weiteren Details)
06.09.2016 09:15

Zürich (awp) - Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2016 überraschend stark gewachsen. Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg in der Periode von April bis Juni zum Vorquartal um 0,6% und zum Vorjahresquartal um 2,0%. Nach oben revidiert wurden ausserdem die BIP-Zahlen für das erste Quartal 2016, und zwar auf +0,3% von +0,1% im Vorquartalsvergleich bzw. auf +1,1% von +0,7% im Vorjahresvergleich.

Die Q2-Werte liegen damit über den Schätzungen. Von AWP befragte Ökonomen hatten das Wachstum zum Vorquartal auf +0,2% bis +0,5% und im Vorjahresvergleich auf +0,6% bis +0,9% geschätzt.

Positive Impulse kamen im zweiten Quartal vom Aussenhandel sowie vom Staatskonsum, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Am kräftigsten legten die staatlichen Konsumausgaben mit einem Plus von 1,7% zum Vorquartal zu, wobei der bedeutendste Impuls aus dem Bereich Gesundheit kam.

Die Warenexporte (ohne Wertsachen, Transithandel etc.) wuchsen um 0,8%. Hier kurbelten vor allem die Ausfuhren von chemischen und pharmazeutischen Produkten das Wachstum an, während von den Bereichen Uhren und Maschinen negative Impulse kamen. Bei den Warenimporten gab es ein Plus von 0,5%, wobei auch hier das höchste Wachstum aus dem Bereich Chemie/Pharma kam. Die Dienstleistungsexporte bildeten sich um 0,1%, die entsprechenden Importe um 1,1% zurück.

Rückläufig entwickelten sich laut Seco nach einem positiven Quartal die Ausrüstungsinvestitionen mit einem Minus von 0,9%. Insbesondere die Rubriken Maschinen und Sonstige Fahrzeuge hätten sich abgeschwächt, heisst es dazu. Auch die Bauinvestitionen waren mit -0,3% leicht rückläufig.

Auf der Produktionsseite verteilte sich das Wachstum laut Seco breit über die meisten Sektoren. Die höchsten Zuwachsraten zeigten sich im Energiesektor mit 5,8%, im Sektor Erziehung und Unterricht mit 2,0% und nach einigen negativen Quartalen im Gastgewerbe mit 2,5%. Auch das Gesundheits- und Sozialwesen (+1,0%), die Öffentliche Verwaltung (+0,8%) und die wirtschaftlichen Dienstleistungen (+0,8%) legten zu. Einen leichten Rückgang nach drei positiven Quartalen verzeichnete hingegen das Verarbeitende Gewerbe (-0,1%).

NUR NOCH EINIGE DEFLATOREN RÜCKLÄUFIG

Die Preisindizes auf der Verwendungsseite des BIP sind zum Teil in den positiven Bereich vorgestossen - etwa bei den Importen. So wies etwa der Deflator der Warenimporte (ohne Gold und Wertsachen) zum ersten Mal seit drei Jahren eine positive Wachstumsrate auf (+0,8% zum Vorjahr), und auch der Deflator der Dienstleistungsimporte legte zu (+0,4%). Positiv entwickelte sich ausserdem der Preis-Index der Ausrüstungsinvestitionen (+0,6%), jener der Bauinvestitionen war immerhin unverändert (0,0%).

Der Deflator des privaten Konsums dagegen ging um weitere 0,3% zurück, jener der Warenexporte (ohne nicht monetäres Gold, Wertsachen und Transithandel) um 1,4% und jener der Dienstleistungsexporte um 0,6%, wobei alle weniger stark sanken als noch im ersten Quartal. Der gesamte BIP-Deflator sank im Vorjahresvergleich um 0,7%, dies nach -1,2% im ersten Jahresabschnitt.

TALSOHLE DURCHSCHRITTEN?

Laut ersten Ökonomen-Einschätzungen könnte die Schweizer Wirtschaft die Talsohle nach dem Franken-Aufwertungsschock durchschritten haben. Langsam aber sicher kehre das Wachstum in den Normalbereich zurück, heisst es in einem ersten Kommentar der VP Bank. Dies werde vor allem sichtbar, wenn man den BIP-Zuwachs zum Vorjahr betrachte (+2,0%). Die Perspektiven für das zweiten Halbjahr seien ausserdem günstig.

uh/rw/ra

(AWP)