BIP wächst im ersten Quartal um 0,3% - Privatkonsum legt nur leicht zu

(Mit weiteren Angaben und einem ersten Analystenkommentar ergänzt) - Die Schweizer Wirtschaft ist zum Jahresanfang 2017 moderat gewachsen. Positive Impulse kamen vom Aussenhandel sowie von den Investitionen, der Privatkonsum legte hingegen nur noch leicht zu. In ersten Kommentaren wird das BIP-Wachstum als leise Enttäuschung bezeichnet.
01.06.2017 09:02

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3%, wie das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilt. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal betrug das Wachstum +1,1%.

Die Werte liegen damit am unteren Rand der Ökonomen-Schätzungen. Von AWP befragte Experten hatten das Wachstum zum Vorquartal auf +0,3% bis +0,6% und im Vorjahresvergleich auf +1,1% bis +1,3% geschätzt.

PRIVATKONSUM UNTER LANGJÄHRIGEM MITTEL

Der private Konsum habe nach einem sehr starken Vorquartal deutlich schwächer als im langjährigen Mittel expandiert, schreibt das Seco. Er legte nur noch um 0,1% zu, nachdem es im Vorquartal 0,9% gewesen waren. Die Rubrik Gesundheit habe einen positiven Impuls geliefert, während sich der Bereich Wohnen und Energie negativ entwickelt habe, heisst es dazu.

Auch der Staat trug nicht mehr im gleichen Ausmass zum Wachstum bei wie zum Jahresende 2016. Das Plus der staatlichen Konsumausgaben verringerte sich auf 0,4% von 0,9%.

Auf der anderen Seite legten die Bau- und Ausrüstungsinvestitionen (0,4% rsp. 1,7%) nach einem Rückgang im Vorquartal wieder zu. Das Plus bei den Investitionen erklärt das Seco mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für die EDV und Maschinen.

HANDELSBILANZ POSITIV

Auch die Handelsbilanz habe trotz geringerer Warenimporte per Saldo positiv zum Wachstum beigetragen, heisst es weiter. So hätten die Warenexporte mit 3,9% "überdurchschnittlich stark" zugelegt, und auch die Dienstleistungsexporte (3,2%) seien nach zwei negativen Quartalen in Folge wieder angestiegen. Bei den einzelnen Branchen heben die Ökonomen des Bundes die Chemie- und Pharmaindustrie hervor, aber auch die Hersteller von Präzisionsinstrumenten, Uhren und Bijouterie, die das stärkste Quartalswachstum seit sechs Jahren erfahren hätten.

Auf der Produktionsseite wurde das Wachstum massgeblich vom verarbeitenden Gewerbe getragen, wie es weiter heisst. Die Dienstleistungssektoren hätten sich hingegen unterschiedlich entwickelt: Im Gesundheits- und Sozialwesen wuchs demnach die Wertschöpfung, im Handel sowie im Finanzsektor ging sie zurück.

Der BIP-Deflator (+0,8%) war laut dem Seco erstmals seit 13 Quartalen höher als im entsprechenden Vorjahresquartal. Einzig der Deflator der Bauinvestitionen habe die negative Entwicklung der Vorquartale fortgesetzt, so die Mitteilung.

"DETAILS ÜBERZEUGEN"

Für die Experten der VP Bank sind die neusten Zahlen "gemessen an den Erwartungen" eine leise Enttäuschung. "Doch die Details können durchaus überzeugen", betonen sie.

So sei das Exportwachstum breit abgestützt gewesen. Und der Zuwachs der Ausrüstungsinvestitionen zeige, dass die Firmen nach wie vor mit dem heimischen Standort zufrieden seien und entsprechend investierten. "Die frohe Botschaft des heute vorgelegten Zahlenwerkes ist, dass die Unternehmen nicht mehr allzu stark unter dem starken Franken leiden", lautet daher das Fazit.

JAHRES-BIP 2016 BESTÄTIGT

Das Seco revidierte ausserdem die BIP-Zahlen für das vierte Quartal 2016 leicht nach oben. Demnach wuchs die Schweizer Wirtschaft damals gegenüber dem Vorquartal um 0,2% (bislang: +0,1%). Die Wachstumszahl zum Vorjahresquartal wurde ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf +0,7% erhöht.

Unverändert sind hingegen die Angaben zur Entwicklung des BIP im Gesamtjahr 2016: Das reale Wachstum hat demnach unverändert 1,3% betragen, womit die erste Schätzung vom März bestätigt wird.

rw/ra

(AWP)