BIP wächst unter Erwartung - Verhaltener Arbeitsmarkt und schwacher Privatkonsum

(Mit weiteren Angaben und einem ersten Analystenkommentar ergänzt) - Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2017 nur leicht gewachsen. Der Hauptgrund war ein relativ tiefer Privatkonsum, der wegen eines verhaltenen Arbeitsmarktes nicht auf Touren kam. In einem ersten Kommentar wird das BIP-Wachstum als Enttäuschung bezeichnet.
05.09.2017 08:42

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3%. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal waren es ebenfalls 0,3%. Im Vergleich zum relativ deutlich nach unten revidierten ersten Quartal entspricht dies noch einer leichten Beschleunigung.

Die Werte liegen damit im Vorquartalsvergleich am untersten Rand der Ökonomen-Schätzungen und beim Vorjahresvergleich sogar deutlich darunter. Von AWP befragte Experten hatten das Wachstum zum Vorquartal auf +0,3% bis +0,6% und im Vorjahresvergleich auf +0,8% bis +1,1% geschätzt.

VERHALTENER ARBEITSMARKT ALS BREMSER

Stützend wirkten sich auf das Wachstum das verarbeitende Gewerbe, der Finanzsektor und das Gastgewerbe aus, teilte das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mit. Verwendungsseitig wurde das Wachstum durch die inländische Nachfrage getragen: Positive Impulse kamen sowohl vom Konsum (+0,2%) als auch von den Investitionen.

Allerdings sei vor allem das Wachstum des privaten Konsums nur sehr moderat ausgefallen. "Grund hierfür ist der verhaltene Arbeitsmarkt, der nicht richtig in Fahrt kommt", erklärte Ronald Indergand, Leiter des Ressorts Konjunktur der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco gegenüber AWP.

Um wieder ein stärkeres BIP-Wachstum zu erreichen, müsste daher auch die Beschäftigung stärker wachsen. "Das wiederum würde den privaten Konsum ankurbeln", so Indergand. Insgesamt sei das geringe Wachstum letztlich erstaunlich, sei der Frankenschock in Branchen wie Industrie und Gastgewerbe doch ausgestanden, meinte er weiter.

STAATSNAHER SEKTOR ÜBERZEUGTE NICHT

Ein Wachstum gab es im zweiten Quartal ausserdem beim Staatskonsum (+0,3%). Die Dynamik der Ausrüstungsinvestitionen (+0,3%) hingegen schwächte sich gegenüber dem Vorquartal spürbar ab. Umgekehrt gewannen Die Bauinvestitionen (+0,8%) nach zwei schwächeren Quartalen an Fahrt.

Schwach entwickelten sich der der Handel, die öffentliche Verwaltung und der Gesundheitssektor. Auch die Handelsbilanz trug laut dem Seco negativ zum BIP bei.

"ZAHLEN SIND ENTTÄUSCHUNG"

Für die Experten der VP Bank sind die neusten Zahlen eine klare Enttäuschung. "Das Wachstum enttäuscht, zumal auch die Zuwachsrate für das erste Quartal nach unten revidiert wurde", erklären sie. Gemessen an wichtigen Konjunkturvorlaufindikatoren habe sogar die Hoffnung auf eine Überraschung auf der Oberseite bestanden. Doch: "Von letzterer kann keine Rede sein."

Die Hoffnungen würden nun auf dem zweiten Halbjahr liegen. Die Experten der VP Bank schreiben: "Die Abwertungen des Franken und die gut laufende Konjunktur in der Eurozone sprechen für eine Fahrtaufnahme". Dies werde unterstützt von dem nach wie vor sehr optimistischen Ausblick der Einkaufsmanagerbefragungen.

Das Seco revidierte ausserdem die BIP-Zahlen für das erste Quartal 2017. Gegenüber dem Vorquartal ist es um 0,1% gewachsen, was tiefer ist als das ursprünglich gemeldete Plus von 0,3%. Die Wachstumszahl zum Vorjahresquartal wurde um deutliche 0,5 Prozentpunkte auf +0,6% gesenkt.

kw/rw

(AWP)