BoJ lässt Geldpolitik unverändert - Schützenhilfe durch Trump-Effekt

(Neu: Aussagen von Notenbankchef Kuroda)
20.12.2016 09:39

TOKIO (awp international) - Die japanische Notenbank blickt etwas optimistischer auf die Entwicklung der heimischen Wirtschaft als zuletzt und lässt ihre Geldpolitik unverändert. Vor allem die Lage bei den Exporten habe sich in den vergangenen Wochen gebessert und die Stimmung in den Unternehmen sei gestiegen, teilte die Bank of Japan (BoJ) am Dienstag zum Abschluss einer zweitägigen Sitzung in Tokio mit. Die jüngsten Reaktionen an den Finanzmärkten auf die Wahl Donald Trumps zum künftigen US-Präsident nehmen Druck von Notenbankchef Haruhiko Kuroda, mit weiteren geldpolitischen Lockerungen nachzulegen.

Der Leitzins bleibe weiter bei minus 0,1 Prozent und das jährliche Volumen der Wertpapierkäufe bei 80 Billionen Yen (654 Mrd Euro), hiess es in der Mitteilung. Zudem sei es zu früh, um über eine mögliche Anhebung des langfristigen Renditeziels zu diskutieren, sagte Kuroda. Bei der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen peilen die Währungshüter damit weiterhin einen Wert um die Nullmarke an.

Die Notenbank versucht seit Jahren, gemeinsam mit der Regierung mit negativen Zinsen und milliardenschweren Anleihekäufen die lahme Wirtschaft anzukurbeln. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, den Yen zu schwächen, um so die Exportwirtschaft zu unterstützen und die stagnierende Entwicklung der Preise zu beleben. Man sei noch weit von dem Inflationsziel von zwei Prozent entfernt, sagte Kuroda.

Schützenhilfe bekam Notenbank-Chef Haruiko Kuroda zuletzt ausgerechnet durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsident. Dieser will zwar die US-Wirtschaft unter anderem durch protektionistische Massnahmen stärken. Dies könnte langfristig die Geschäfte japanischer Unternehmen wie Toyota oder Sony in den USA erschweren, kurzfristig profitieren sie aber von der durch Trump ausgelösten Dollar-Stärke. So gab der Kurs des Yen im Vergleich zum Dollar seit der Wahl Trumps Anfang November deutlich nach und gab damit fast alle Gewinne des Jahresverlaufs wieder ab.

Dies brachte Kuroda aus seiner jüngsten Zwickmühle. Nachdem sein extrem lockerer Kurs am Markt nicht mehr gewirkt hatte und die heimischen Banken wegen der Negativzinsen stark unter Druck geraten sind, musste er im September die Regeln für die Anleihekäufe ändern. Die Notenbank musste sich mehr Spielraum verschaffen, um die Renditen von Staatsanleihen bei längeren Laufzeiten nicht noch weiter absacken zu lassen. Damit sollten die Risiken der extrem lockeren Geldpolitik abgefedert werden./tos/bgf/stb

(AWP)