Britische Wirtschaft verliert überraschend deutlich an Fahrt

(Ausführliche Fassung) - Die Wirtschaft Grossbritanniens hat zu Beginn des Jahres stärker als erwartet an Fahrt verloren. Im ersten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen, teilte das nationale Statistikamt ONS am Freitag nach einer ersten Schätzung mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Wachstum um 0,4 Prozent gerechnet. Bis Dezember war die Wirtschaft des Königreichs noch auf einem deutlich stärkeren Wachstumskurs. Im vierten Quartal 2016 hatte die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent zum Vorquartal zugelegt.
28.04.2017 12:14

In den Monaten Januar bis März war das britische Wirtschaftswachstum dagegen so schwach wie seit einem Jahr nicht mehr. Experten erklärten die Entwicklung unter anderem mit einem Dämpfer im Bereich Dienstleistungen.

Mit ausschlaggebend für die jüngste konjunkturelle Entwicklung in Grossbritannien war der starke Kursverfall des britischen Pfunds seit dem Brexit-Votum im Sommer. Zeitweise hatte die Währung knapp 20 Prozent an Wert verloren. Das machte importierte Waren für britische Verbraucher teurer und heizte die Inflation an. Experten des Analysehauses Capital Economis sehen hier die Ursache für eine zuletzt enttäuschende Entwicklung im Bereich Dienstleistungen. Dienstleistungen spielen in der britischen Wirtschaft eine vergleichsweise starke Rolle.

Obwohl die britische Wirtschaft zuletzt an Schwung verloren hat, haben sich Befürchtungen einer konjunkturellen Schockstarre nach dem Brexit-Votum nicht bewahrheitet. Lange Zeit hatte sich die Konjunktur für viele Experten überraschend robust gezeigt. Die britische Exportwirtschaft konnte sogar von einer Abschwächung des Pfunds profitieren, weil die Waren im Ausland günstiger wurden.

Jüngste Daten zur Stimmung von Einkaufsmanagern deuten ebenfalls darauf hin, dass die britische Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs bleibt. Experten verweisen aber darauf, dass britische Unternehmen und die privaten Haushalte vor den Parlamentswahlen im Juni und vor dem Hintergrund der Brexit-Verhandlungen eine Phase verstärkter Unsicherheit befürchten./jkr/bgf/stb

(AWP)