Britischer Notenbankchef lässt Reaktion auf Brexit-Votum offen

London (awp/sda/reu) - Der britische Notenbankchef Mark Carney lässt sich vor der ersten Zinssitzung nach dem Brexit-Votum alle Optionen offen. Bei eingetrübten wirtschaftlichen Aussichten könne es immer eine Reaktion des geldpolitischen Ausschusses geben, sagte er am Dienstag im Parlament.
12.07.2016 14:56

Carney hatte nach dem EU-Austrittsvotum vom 23. Juni eine laxere Geldpolitik im Laufe des Sommers in Aussicht gestellt, ohne sich auf entsprechende Zinsschritte im Juli oder August festzulegen. Die Währungshüter entscheiden am Donnerstag über den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken, der seit März 2009 auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent liegt.

Carney nutzte den Auftritt vor dem Finanzausschuss des Parlaments für eine Botschaft an "Haushalte und Firmen", dass die Kreditvergabe nicht in den Nachwehen des Referendums gelitten habe. Geld für Hypotheken oder Investitionen sollte weiter fliessen, wenn die Geschäftsidee hinter den Krediten stimme, betonte der Kanadier an der Spitze der Bank of England (BoE).

Nach Ansicht von Experten könnte die BoE bereits am Donnerstag dafür sorgen, dass die Finanzierungskosten für Banken nicht steigen. Denn andernfalls droht eine Kreditklemme - mit gravierenden Konsequenzen für die ganze Wirtschaft. Der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock befürchtet, dass Grossbritannien im kommenden Jahr in eine Rezession abrutscht. Zudem werde das Wirtschaftswachstum noch über Jahre unter der Brexit-Entscheidung leiden.

Um eine Kreditklemme abzuwenden, könnte die BoE laut Fachleuten beispielsweise jene Geldinstitute bei der Refinanzierung belohnen, die ihre Darlehensvergabe ausgebaut oder zumindest konstant gehalten haben. Sie hatte 2012 ein ähnliches Programm aufgelegt.

Als Reaktion auf das EU-Austrittsvotum hat die Notenbank bereits die Kapitalregeln für die Banken gelockert. Diese müssen vorerst nicht mehr Geld für schlechtere Zeiten beiseitelegen. Wie aus den Protokollen des zuständigen BoE-Ausschusses hervorgeht, wurde die Lockerung Anfang Juli einstimmig durchgewinkt. Carney betonte vor den Parlamentariern, sie sei kein "Patentrezept", sondern als Teil einer ganzen Reihe von Massnahmen und Notfallplanungen zu sehen.

(AWP)