Bundesbank-Chef stellt Ausstieg aus Anleihenkauf in Aussicht

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat einen Ausstieg aus den Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Aussicht gestellt. "Der Zeitpunkt, den Fuss nicht mehr durchgedrückt auf dem Gaspedal zu lassen, sondern ihn leicht anzuheben, (?) nähert sich aus meiner Sicht", sagt Weidmann in einem Interview mit der Zeitung "Die Zeit", das am Mittwoch vorab veröffentlicht wurde. Wenn es in einem Jahr keine Anleihekäufe mehr gäbe, würde er das begrüssen.
05.04.2017 14:12

Weidmann begründete seine Prognose mit der guten Wirtschaftslage im gemeinsamen Währungsraum. "Nach allem, was wir derzeit wissen, ist der wirtschaftliche Aufschwung im Euro-Raum robust und wird sich fortsetzen", sagt der Währungshüter. "Damit wird auch der Preisdruck zunehmen."

Zuletzt war die Inflation in der Eurozone wieder überraschend stark gesunken, nachdem sie im Februar 2,0 Prozent erreicht hatte und damit den höchsten Stand seit Anfang 2013. In dem Rückfall der Teuerung auf 1,5 Prozent im März sah Weidmann keine Gefahr: "Eine Deflation hielt ich schon in der Vergangenheit für unwahrscheinlich. Angesichts der positiven Aussichten für die Konjunktur ist sie jetzt noch unwahrscheinlicher."

Ausserdem kritisierte der Bundesbank-Präsident die Handelspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. "Die Richtung, in die sich die US-Handelspolitik bewegt, halte ich für bedenklich", sagte Weidmann. Ein Handelskonflikt würde keiner Seite nutzen. Das gelte auch für die Amerikaner. "In Amerika würden Handelsbarrieren vor allem denjenigen schaden, die sie zu schützen vorgeben", sagte Weidmann./jkr/jsl/stb

(AWP)