Bundesbank-Chef warnt vor einer zu langen Fortsetzung der expansiven Geldpolitik

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat am Donnerstag einmal mehr vor einer zu langen Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik in der Eurozone gewarnt. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte nicht aus Rücksicht auf mögliche Folgen für die Zinslast einiger Mitgliedstaaten oder die Tragfähigkeit ihrer Staatsfinanzen den Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik aufschieben, sagte Weidmann, der auch Mitglied im EZB-Rat, laut Redetext in Berlin. "Die Geldpolitik darf auf keinen Fall zum Gefangenen der Finanzpolitik werden."
06.04.2017 12:26

Eine zu lange Phase mit extrem niedrigen Zinsen berge wachsende Risiken für die Finanzmärkte, warnte Weidmann. "Anhaltend niedrige Zinsen können Übertreibungen auf den Vermögensmärkten Vorschub leisten", bekräftigte er frühere Aussagen. In den vergangenen Tagen hatte bereits EZB-Direktor Benoit Coeure den Mitgliedsstaaten der Eurozone geraten, sich bei Zeiten auf steigende Zinsen vorzubereiten.

Noch stehen die Zeichen in der Eurozone aber auf eine Fortsetzung der Nullzinspolitik. Nahezu zeitgleich zu Weidmann sah EZB-Präsident Mario Draghi in einer Rede in Frankfurt noch keinen Anlass für ein Ende der ultralockeren Geldpolitik. "Eine Neubewertung unserer derzeitigen Geldpolitik ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angemessen," sagte Draghi.

Ausserdem warnte Weidmann, die Regulierung der Geschäftsbanken im Zuge des Brexits wieder abzuschwächen. "Einen Unterbietungswettbewerb in Sachen Regulierung sollten wir übrigens auch im Werben um die Finanzinstitute vermeiden", sagte der Bundesbank-Chef. Er bezog sich dabei auf Banken, die aufgrund des Brexits Geschäftsbereiche von London auf das europäische Festland verlagern möchten./jkr/jsl/fbr

(AWP)