Bundesbank-Chef Weidmann fordert Enddatum für EZB-Anleihenkäufe

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat nicht alle EZB-Entscheidungen zur Verringerung der umstrittenen Anleihenkäufe ab nächstem Jahr mitgetragen. "Allerdings wäre aus meiner Sicht ein klares Ende der Nettokäufe angezeigt gewesen", sagte Weidmann am Freitag auf einer Veranstaltung der deutschen Botschaft in Paris.
27.10.2017 17:53

"Insbesondere weil ich, wie Sie vermutlich wissen, Staatsanleihenkäufe in der Währungsunion besonders kritisch sehe." Sein französischer EZB-Ratskollege Francois Villeroy de Galhau lenkte unterdessen den Blick auf die weiteren Instrumente, die die Notenbank zur Erreichung ihrer Ziele hat.

Weidmann war von Anfang an ein scharfer Kritiker des im März 2015 gestarteten EZB-Programms zum Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Die Europäische Zentralbank hatte am Donnerstag angesichts der sich festigenden wirtschaftlichen Erholung einen vorsichtigen Kurswechsel gewagt.

Sie entschied, ab Januar das monatliche Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro zu halbieren. Die Transaktionen sollen aber bis mindestens Ende September 2018 fortgesetzt werden. Ein konkretes Enddatum signalisierte die EZB nicht. Sie hielt sogar an der Option fest, die Käufe bei Bedarf erneut zu verlängern oder aufzustocken. Diese Entscheidung unterstütze Weidmann nicht.

Bestand bei zwei Billionen Euro

Frankreichs Notenbankchef spielte die Relevanz der zusätzlichen Käufe herunter. "Wir sollten uns nicht zu sehr auf sie fokussieren." Es gebe eine Reihe von Instrumenten, die die Notenbank in einer vorhersehbaren Reihenfolge bei der Normalisierung der Geldpolitik einsetzen könne.

Zu den Waffen der EZB zählen neben den Schlüsselzinsen unter anderem die Re-Investitionen der Gelder aus auslaufenden Anleihen sowie der geldpolitische Ausblick. Weidmann ging noch einen Schritt weiter. Es komme für die Wirkung des Kaufprogramms inzwischen nicht so sehr auf die Höhe der monatlichen Käufe an, sondern vor allem auf das Gesamtvolumen der Anleihen in den Büchern.

"Und der vom Eurosystem gehaltene Bestand wird auch bei einem Auslaufen der Nettokäufe auf einem sehr hohen Niveau bleiben." Die EZB und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder haben inzwischen Bonds für mehr als zwei Billionen Euro in ihre Bücher genommen. Zudem werden die Gelder aus auslaufenden Anleihen erneut angelegt.

Keine Vollbremsung

Die Zinsen, die in der Euro-Zone auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürften zudem erst nach dem Auslaufen der Käufe wieder steigen. "Bildlich gesprochen bedeutet das also: Wir sprechen geldpolitisch nicht über eine Vollbremsung, sondern darüber, das Gaspedal nicht noch weiter durchzutreten," sagte Weidmann.

Dies sei wegen des Aufschwungs im Währungsraum auch nicht nötig. Kurzfristig könne die Wirtschaft sogar noch dynamischer wachsen als bislang erwartet.

(AWP)