Bundesbank-Chef weist US-Vorwürfe zurück und warnt vor Handelskrieg

(Ausführliche Fassung) - Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann hat Vorwürfe der Wechselkursmanipulation aus den USA scharf zurückgewiesen. "Der Vorwurf, Deutschland beute die USA und andere Länder mit einer unterbewerteten Währung aus, ist mehr als abwegig", sagte Weidmann laut Redetext am Dienstag in Mainz. Der allerjüngste Dollaranstieg dürfte vielmehr hausgemacht sein, ausgelöst durch politische Ankündigungen der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump.
08.02.2017 08:55

Deutsche Unternehmen sind Weidmann zufolge vor allem deshalb so erfolgreich, "weil sie hervorragend auf den Weltmärkten positioniert sind und mit innovativen Produkten überzeugen". Als sehr beunruhigend bezeichnete der Bundesbank-Chef die protektionistische Rhetorik der neuen US-Administration, "zumal Deutschland zunehmend ins Visier der amerikanischen Regierung gerät."

US-Präsidentenberater Peter Navarro hatte Deutschland vorgeworfen, in seinen Handelsbeziehungen von einer "extrem unterbewerteten impliziten Deutschen Mark" zu profitieren. Er warf Deutschland vor, die USA und die EU-Partner durch einen schwachen Euro "auszubeuten".

Anfang der Woche hatte bereits der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Vorwürfe zurückgewiesen. "Wir sind keine Währungsmanipulatoren."

Ausserdem warnte der Bundesbank-Chef in einem Interview, das am Mittwoch in den Zeitungen der Madsack-Mediengruppe veröffentlicht wurde, vor den Folgen einer wirtschaftspolitischen Konfrontation zwischen den USA und der Europäischer Union. "Wenn die Politik Handelsbarrieren errichtet oder einen Abwertungswettlauf anzettelt, gibt es am Ende nur Verlierer", sagte Weidmann. Die Staatengemeinschaft sei bislang gut damit gefahren, protektionistischen Versuchungen zu widerstehen. Weidmann hoffe und setze sich dafür ein, "dass uns das auch zukünftig gelingt - auch im Rahmen des laufenden deutschen G-20-Vorsitzes".

Washington solle ausserdem bedenken, dass China und andere Staaten Asiens bereits jetzt als Handelspartner wachsende Bedeutung für Europa gewonnen hätten. "Das für viele asiatische Länder enttäuschende Nein Trumps zu einem transpazifischen Handelsabkommen fördert die Suche nach Partnerschaften ohne Amerika", sagte Weidmann. "Wenn sich die USA handelspolitisch aus dem Spiel nehmen, werden andere die Lücke füllen."

Generell sprach Weidmann von einer "Vielzahl von beunruhigenden Äusserungen" aus den USA. Es lasse sich derzeit aber noch kein stimmiges Gesamtbild erkennen. Jetzt sei es wichtig, "einen kühlen Kopf zu bewahren und mit der amerikanischen Regierung ins Gespräch zu kommen"./mar/jkr/jsl/das

(AWP)