Candriam-Ökonomen erwarten globales Wirtschaftswachstum - Schweiz in Sonderrolle

Zürich (awp) - Beim Asset Manager Candriam gehen die führenden Ökonomen davon aus, dass die weltweite Wirtschaft im kommenden Jahr wieder etwas deutlicher wachsen wird. Dabei dürfte die Wirtschaftsleistung im Euroraum allerdings etwas langsamer steigen als in den USA und den Emerging Markets. Eine Sonderrolle könnte der Schweiz zukommen. Angesichts der zahlreichen politischen Unsicherheiten könnte nämlich die Nachfrage nach sicheren Häfen 2017 deutlich zulegen, was dann den Franken verstärkt ins Spiel bringen wird.
14.12.2016 15:03

Mit Blick auf Europa rechnet Florence Pisani, Leiterin Wirtschaftsanalyse bei Candriam, dass sich der Arbeitsmarkt langsam aber stetig verbessern werde. Besonders gut habe sich zuletzt vor allem das einstige Krisenland Spanien entwickelt, erklärt die Expertin am Mittwoch anlässlich einer Präsentation zum Jahresausblick 2017.

ITALIEN EIN 'ECHTES PROBLEM' FÜR DIE EUROZONE

Gefragt nach den Zukunftsaussichten für die gesamte Euro-Zone, zeigen sich Pisani und Anton Brender, Chefökonom von Candriam, sichtlich besorgt. Diese Frage sei nicht zu unterschätzen. Eine Antwort könne man zu diesem Zeitpunkt nicht geben. "Wir hoffen, dass die Gemeinschaft hält", so Brender. Allerdings sei die weitere politische Marschrichtung in Italien ein entscheidender Faktor. Gerade in dem Land müssten dringend strukturelle Reformen angegangen werden, ergänzt Pisani. "Italien ist ein echtes Problem für die Eurozone", sagt die Expertin.

Darüber hinaus müsse die gesamte Eurozone sicher Veränderungen vornehmen, um ihre Zukunft und ihren Zusammenhalt auch in Zukunft zu sichern, sind sich die beiden Experten einig.

USA AN WENDEPUNKT

Anders als Europa, sieht Brender die USA an einem Wendepunkt. Setzt der designierte US-Präsident Donald Trump die in seinem Wahlprogramm versprochenen Steuersenkungen und Infrastrukturprojekte auch nur ansatzweise um, wird die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen. "Derzeit ist zwar noch nicht absehbar, wie stark und wie umfassend diese Massnahmen tatsächlich sein werden" schränkt der Ökonom ein. Er gehe aber davon aus, dass sie sich ab 2017, und 2018 in vollem Umfang, auf die Konjunktur auswirken werden. "Das Wachstum könnte dann auf über 3% steigen, während sich das Staatsdefizit fast verdoppeln dürfte".

Eine stärker wachsende Wirtschaft hätte dann auch Folgen für die US-Notenbank. Selbst wenn sie an ihrem aktuellen Kurs weiter festhalte, werde sie kaum umhin kommen, die Geldpolitik etwas schneller zu straffen. Daher rechne er aktuell für das kommende Jahr mit zwei bis drei Zinserhöhungen.

FRANKEN RÜCKT VERSTÄRKT IN DEN FOKUS

Bleibt die Frage, wo die Schweiz in diesem Szenario steht. "Mit Trump in den USA und den bevorstehenden Wahlen in verschiedenen EU-Ländern wird die politische Unsicherheit zu einem echten strukturellen Problem", erklärt Brender besorgt. Unsicherheit wiederum lasse bekanntlich die Suche nach sicheren Häfen ansteigen. Entsprechend rechnen die beiden Candriam-Experten damit, dass der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar kommen könnte. "Was ein starker Franken für die Schweizer Wirtschaft heisst, haben wir gesehen". Es sei dann an der SNB zu entscheiden, welche Massnahmen sie ergreifen wird.

hr/tp

(AWP)