Chinas Aussenhandel startet trotz Trump-Unsicherheit stark ins Jahr

(Ausführliche Fassung) - Schwungvoller Jahresstart für Chinas Aussenhandel. Dieser hat trotz der Unsicherheit über die Folgen der Abschottungsversuche des neuen US-Präsidenten Donald Trump im Januar kräftig zugelegt. Sowohl die Aus- als auch die Einfuhren nahmen stärker zu als von Experten erwartet. Der Export stieg getrieben von einer weltweit wieder höheren Nachfrage um 7,9 Prozent auf knapp 183 Milliarden Dollar, wie der Zoll am Freitag in Peking mitteilte.
10.02.2017 07:42

Die Importe legten sogar um knapp 17 Prozent auf rund 131 Milliarden Dollar zu. Hier könnte es aber auch wegen des in diesem Jahr bereits Ende Januar losgegangenen Neujahresfestes zu Vorzieheffekten gekommen sein. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten bei beiden Werten mit deutlich geringeren Zuwächsen gerechnet. Der Überschuss im Aussenhandel ging wegen um knapp 19 Prozent auf zirka 51 Milliarden Dollar zurück.

TRUMP GILT ALS GROSSES RISIKO FÜR CHINAS WIRTSCHAFT

Bei den Ausfuhren ist das Januar-Plus der erste kräftige Aufschwung seit März vergangenen Jahres. 2016 gingen die Exporte gemessen in Dollar meist deutlich zurück. Über das gesamte Jahr gesehen waren die Ausfuhren wegen der schwachen Nachfrage von vielen wichtigen Handelspartnern um fast acht Prozent gefallen. Und auch die Einfuhren waren wegen der schwächelnden Binnenkonjunktur gesunken.

Da Trump immer wieder auch China unfairen Handel vorgeworfen hat, gilt die künftige Handelspolitik der USA derzeit als das grösste Risiko für den chinesischen Aussenhandel. Neben der möglichen Blase am Immobilienmarkt könnte das im laufenden Jahr daher zu einem der grössten Probleme der chinesischen Wirtschaft werden.

EXPORTE IN DIE USA LEGEN WEITER ZU

In den vergangenen Monaten hatte die Unsicherheit in Bezug auf Trumps Politik aber noch keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Handel. Im Januar zogen die Exporte in die Vereinigten Staaten wie bereits im November und Dezember deutlich an. Offen ist, was Trump genau machen will, um die Ausfuhren Chinas in die USA zu bremsen und damit die heimische Wirtschaft zu stärken.

In der Nacht auf Freitag haben Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erstmals direkt miteinander gesprochen. Drei Wochen nach seiner Amtseinführung hat Trump Xi Jinping angerufen. In dem mit Spannung erwarteten Telefonat versicherte Trump, dass sich seine Regierung im Umgang mit Taiwan weiter an die "Ein-China-Politik" halten werde, wie das Weisse Haus und das chinesische Staatsfernsehen am Freitag bestätigten.

BALDIGES TREFFEN ZWISCHEN TRUMP UND XI JINPING

Die Zusage dürfte die Spannungen zwischen den beiden grössten Wirtschaftsnationen reduzieren. Trump hatte Peking anfangs stark irritiert, als er mit jahrzehntealtem US-Protokoll gebrochen und mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen telefoniert hatte. Auch hatte der neue US-Präsident zunächst die "Ein-China-Politik" in Frage gestellt.

Mit dieser Doktrin fordert Peking, dass kein Land diplomatische oder offizielle Beziehungen zu der demokratischen Inselrepublik Taiwan unterhalten darf, die Peking seit dem Ende des Bürgerkrieges in China 1949 nur als abtrünnige Provinz betrachtet. Chinas Präsident begrüsste die Zusage von Trump, wie Chinas Staatsfernsehen berichtete. Beide Präsidenten vereinbarten ferner, die Kommunikation und Kooperation auszubauen, und wollten sich "bald" treffen, hiess es./zb/DP/stb

(AWP)