Chinas Wirtschaft wächst mit 6,9 Prozent schneller als erwartet

(Zusammenfassung) - Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal dank kauffreudigen Konsumenten und investierenden Unternehmen stärker als erwartet gewachsen. Die zweitgrösste Volkswirtschaft legte um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu und wuchs damit genauso schnell wie in den ersten drei Monaten des Jahres.
17.07.2017 08:56

"Die Wirtschaft machte im ersten Halbjahr weiter stetig Fortschritte", erklärte das Statistikamt am Montag in Peking. "Aber die internationale Instabilität und Unsicherheit bleibt recht gross."

Ökonomen waren von einer leichten Abkühlung auf 6,8 Prozent ausgegangen. "Die Daten sind besser, als die meisten Analysten vermutet haben", sagte der Pekinger Wirtschaftsprofessor Huang Weiping.

Die Regierung des Landes ist nach den unerwartet guten ersten sechs Monaten auf Kurs, ihr für das Gesamtjahr angepeiltes Wachstumsziel von 6,5 Prozent zu erreichen, nachdem es 2016 mit 6,7 Prozent das kleinste Plus seit 26 Jahren gegeben hatte.

Der zuletzt starke Aussenhandel habe sich als Stütze erwiesen, sagte Huang Weiping. Allein im Juni hatten die Exporte um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt, die Ausfuhren stiegen sogar um 17,2 Prozent. Auch andere Konjunkturdaten zeigten nach oben.

Die Anlageinvestitionen legten im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent zu, während die Detailhandelsumsätze sich um 10,4 Prozent verbesserten, wie das Statistikamt mitteilte. "Zumindest momentan sehen alle Daten gut aus", sagte Huang Weiping.

Entwicklung dank staatlichem Stimulus

Langfristig seien aber durchaus Zweifel angebracht. "China hat noch immer keinen nachhaltigen Wachstumspfad eingeschlagen." Viele Stimulus-Massnahmen des Staates hätten dazu beigetragen, dass sich die Wirtschaft zuletzt so robust entwickelt habe.

Zudem sind die Konjunkturdaten mit Vorsicht zu geniessen: Viele Experten macht stutzig, dass sie schon gut zwei Wochen nach Quartalsende veröffentlicht werden, während etwa das viel kleinere Deutschland für eine erste Schätzung vier Wochen mehr benötigt.

Andere Experten sahen nach wie vor die steigenden Schulden von chinesischen Unternehmen als grösste Gefahr für die Wirtschaft. Im Mai hatte die US-Ratingagentur Moody's Chinas Kreditwürdigkeit schlechter eingeschätzt und das Rating des Landes um eine Stufe gesenkt. Grund waren Befürchtungen, Chinas bisherige finanzielle Stärke könnte in den kommenden Jahren leiden. Erwartet würden steigende Schulden bei zugleich abnehmenden Wachstumsraten.

Staatsmedien zitierten am Wochenende Chinas Präsidenten Xi Jinping mit den Worten, dass der Abbau der Schulden in den Staatsunternehmen "hohe Priorität"? habe. Auch müssten Behörden entschiedener gegen "Zombie-Firmen"?? vorgehen, die ausschliesslich mit neuen Krediten künstlich am Leben gehalten werden.

Reformen lassen auf sich warten

Obwohl erste Massnahmen im Kampf gegen die Schulden zu erkennen seien, gingen Beobachter davon aus, dass Peking schmerzhafte, aber notwendige Reformen weiter aufschieben wird. Vor dem grossen Parteikongress im Herbst, bei dem Chinas Präsident Xi Jinping seine Macht weiter ausbauen will und sich aller Voraussicht nach seine zweiten Amtszeit sichern wird, sollen schlechte Nachrichten nicht auf die Stimmung drücken.

Auch der wachsende Protektionismus könnte den Exportweltmeister belasten. US-Präsident Donald Trump droht beispielsweise mit Schutzzöllen auf Stahlimporte. Europäische Firmen klagen hier ebenfalls über Billigimporte aus China. Sprengstoff birgt zudem der Nordkorea-Konflikt vor der eigenen Haustür. Auch der Immobilienboom ist vielen Experten unheimlich. Die Regierung versucht mit Restriktionen, eine Preisblase zu verhindern, deren Platzen in eine schwere Wirtschaftskrise münden könnte.

Der Internationale Währungsfonds mahnt deshalb zu Reformen. "Der Reformprozess muss beschleunigt werden, um mittelfristige Stabilität zu sichern und dem Risiko zu begegnen, dass die laufende wirtschaftspolitische Umorientierung zu scharfen Anpassungen führen könnte", warnte der IWF. Die Wirtschaft soll künftig stärker vom Konsum als von den Exporten getragen werden.

(AWP)