Clariant erteilt Forderung nach Spartenverkauf Absage

Nach der gescheiterten Fusion mit dem US-Unternehmen Huntsman erteilt Clariant der Forderung seines grössten Aktionärs nach einer Devestition erneut eine Absage. Über seine berufliche Zukunft äussert sich Verwaltungsratspräsident Rudolf Werhli indes nur vage.
29.10.2017 13:49

Der vom aktivistischen Investor White Tale geforderte schnelle Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte sei kein gangbarer Weg, sagte Clariant-Präsident Rudolf Wehrli im Gespräch mit der "NZZ am Sonntag".

Der Bereich trage 40 Prozent des Umsatzes und die Fixkosten des ganzen Konzerns mit. "Wir können nicht ins Blaue hinaus Geschäfte verkaufen und danach Zukäufe prüfen. Die Reihenfolge muss umgekehrt sein. Das sehen übrigens auch unsere Investoren so".

Im Fall eines Verkaufs stünde die nächste Restrukturierung an. "Und das wäre ein Gang durchs Tal der Tränen, wir haben schon derart viel Kosten gekürzt, da gibt es kaum mehr Spielraum", gab Wehrli zu bedenken.

Zugleich räumte der Verwaltungsratspräsident ein, dass ein grösserer Zukauf nur durch den Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte finanziert werden könnte. "Die Vorbereitungen dafür haben wir getroffen, der Bereich wird gesondert geführt. Mit dem Erlös könnten wir die Finanzierung einer Akquisition in der Grössenordnung von bis zu fünf Milliarden Franken stemmen".

Obwohl die Strukturen für eine Übernahme geschaffen sind, hat Clariant noch keine konkreten Kaufziele. "Wir haben auch schon Verhandlungen geführt. Aber es braucht immer zwei. Manchmal stellte die andere Seite Bedingungen, die wir nicht erfüllen wollten, oder umgekehrt", sagte Wehrli.

Der Frage, ob er sich im Frühling zur Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident stellen werde, wich Wehrli aus. Alle Verwaltungsräte müssten sich bis zur Frühjahrssitzung entscheiden, ob sie sich wieder wählen lassen wollten, sagte er lediglich. Die gescheiterte Fusion sei aber grundsätzlich kein Grund um nach personellen Konsequenzen zu rufen. Dass Hariolf Kottmann als Konzernchef zurücktrete, sei nie Thema im Verwaltungsrat gewesen.

(AWP)