Credit Suisse geht von weiterer Erholung der Schweizer Wirtschaft aus

(Mit weiteren Angaben nach Telefonkonferenz ausgebaut)
14.12.2016 13:18

Zürich (awp/sda) - Die Credit Suisse sagt der Schweizer Wirtschaft im kommenden Jahr einen weiteren sanften Aufschwung voraus. So soll sie 2017 erneut um 1,5% wachsen. Zusätzlichen Schub erwartet die Grossbank vor allem von der Exportwirtschaft.

Die meisten Exportunternehmen haben nämlich gemäss der Einschätzung der CS-Ökonomen den Frankenschock vollständig verdaut. Zwar gebe es durchaus Branchen, in denen sowohl das Exportvolumen als auch der Personalbestand weiterhin schrumpfe, sagte CS-Chefökonom Oliver Adler an einer Telefonkonferenz am Mittwoch. "Doch die Zahl dieser Branchen nimmt sukzessive ab."

Gestützt wird diese Erholung von einer Weltwirtschaft, deren Wachstum sich gemäss den Prognosen der Credit Suisse 2017 beschleunigen wird. Gleichzeitig bleibe die Binnenwirtschaft robust auch wenn die Zuwanderung sich weiter abschwäche und die Konsumentenstimmung gedrückt bleibe, heisst es im Bericht.

BREIT ABGESTÜTZTER AUFSCHWUNG

Nach zwei Jahren, in denen die Inlandwirtschaft die Schweizer Konjunkturmotor am laufen hielt, soll 2017 demnach wieder die Exportwirtschaft für den Schwung sorgen. Ein Vergleich mit früheren Jahren zeigt laut CS zudem, dass der Aufschwung innerhalb der Exportwirtschaft breit abgestützt ist.

So haben 2016 fast sämtliche der 22 Industriebranchen die Ausfuhren steigern oder stabilisieren können. In den Jahren 2010 bis 2011 - also in den Jahren der ersten Frankenaufwertung - war das nicht der Fall. Die Unterschiede zwischen den Branchen waren damals deutlich grösser.

Gleichzeitig zeigt die Credit Suisse auf, dass die Frankenstärke auch strukturelle Gründe hat. So diagnostiziert die Grossbank der Schweiz die so genannte "holländische Krankheit". Demnach ist der Franken stark, weil die Schweiz wie einst die Niederlanden einige wenige hochproduktive Exportbranchen hat.

Das sind die Pharmaindustrie, die Uhrenindustrie, der Rohstoffhandel und die Finanzdienstleistungen. Sie sorgen mit ihren Exporten für einen markanten Leistungsbilanzüberschuss der Schweiz, was den Frankenkurs in die Höhe treibt.

Problematisch daran ist, dass alle anderen Exportbranchen darunter leiden. Und dass es gemäss Credit Suisse kein Gegenmittel gibt. Denn solange diese Boombranchen erfolgreich bleiben, werde auch der Franken zu struktureller Stärke neigen, heisst es im Bericht.

WEITERE FRANKENAUFWERTUNG ERWARTET

Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) empfiehlt die Credit Suisse deshalb, dass sie sich auf die Reduktion von temporären Überbewertungen beschränken soll. Die Grossbank geht darum auch davon aus, dass die SNB im Verlauf des nächsten Jahres ihre Interventionen am Devisenmarkt zurückfahren werde.

Mit der Folge, dass der Franken gegenüber dem Euro erneut aufwerten wird. Die SNB jedenfalls könnte einen stärkeren Franken tolerieren, schreibt die Grossbank. Das vor allem auch darum, weil die Nationalbank damit eine weitere Ausdehnung der Bilanz und mögliche Druckversuche abwenden könnte. Das US-Finanzministerium hat vor wenigen Wochen die SNB als potenziellen "Währungsmanipulator" bezeichnet.

cp/

(AWP)