Credit Suisse und KOF-Konsensus senken BIP-Prognose 2017 - Zuversicht für 2018

(Zusammenfassung mit Aussagen aus CS-Medienkonferenz) - Die Ökonomen der Credit Suisse korrigieren ihre Erwartungen für das Schweizer Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr nach unten. Für 2018 erwarten sie aber dank einer anziehenden Weltwirtschaft und steigenden Unternehmensinvestitionen weiterhin eine Wachstumsbeschleunigung. Auch der jüngste KOF-Konsensus senkt seine Prognosen für das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr.
19.09.2017 14:20

Für 2017 erwarten die CS-Ökonomen nun noch einen BIP-Anstieg um 1%, nachdem sie vor drei Monaten noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,5% ausgegangen waren. Die Korrektur begründen sie in ihrem am Dienstag publizierten "Monitor Schweiz" mit dem schwachen Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr. Laut den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ist die Schweizer Wirtschaft im ersten Halbjahr lediglich um 0,3% gewachsen.

Für das Jahr 2018 zeigen sich die Ökonomen der Credit Suisse unverändert zuversichtlich und belassen ihre BIP-Prognose bei einem Wachstum von 1,7%. "Fast alle Indikatoren sind nun im grünen Bereich", sagte Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse Schweiz bei der CS an einer Medienkonferenz. Unterstützung für die Schweizer Wirtschaft kommt von einer anziehenden Weltwirtschaft und nicht zuletzt der Erholung in der Eurozone.

Auch die von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich vierteljährlich befragten Konjunkturexperten (KOF-Konsensus) senken die Prognose für das Wachstum der Schweiz im laufenden Jahr. Sie rechnen demnach nun mit einem realen BIP-Wachstum von 1,3%, nachdem es bei der letzten Befragung 1,5% gewesen waren. Für 2018 rechnet der KOF-Konsensus unverändert mit einem Plus von 1,7%.

KONSUMENTENSTIMMUNG UNVERÄNDERT

Während die Exportindustrie im kommenden Jahr von der guten Weltwirtschaft und auch von der Abschwächung des Frankens profitieren dürfte, erwarten die CS-Ökonomen die Konsumentenstimmung etwa im Rahmen der Vorjahre. Vor allem das stockende Wachstum der Beschäftigung spreche gegen eine stärkere Expansion, sagte Maurer. Auch eine Abschwächung der Zuwanderung spreche gegen ein stärkeres Wachstum des Konsums - machten doch bessere Beschäftigungsaussichten in der EU die Auswanderung in die Schweiz weniger attraktiv.

Gleichzeitig erwarten die CS-Experten, dass die Unternehmen im kommenden Jahr nur zurückhaltend neue Stellen schaffen werden. Weil sie ihre Gewinnsituation verbessern wollten, dürften sie auch nur zu geringen Lohnerhöhungen bereit sein. Positiv sollen sich dagegen die Unternehmensinvestitionen entwickeln: "Die Investitionen dürften 2018 einer der stärksten Wachstumstreiber sein", so Maurer.

IMMOBILIEN AM ZYKLUSENDE

Bei den Bauinvestitionen erwarten die CS-Experten auch im kommenden Jahr noch eine "rege Tätigkeit", wie CS-Immobilienspezialist Fredy Hasenmaile sagte. Obwohl sich die Märkte für Renditeliegenschaften bereits im Abschwung befänden, drängten noch immer viele Investoren in den Immobilienmarkt - nicht zuletzt wegen der derzeitigen Negativzins-Situation.

Hasenmaile rechnet an den Bau- und Immobilienmärkten wegen der langen Zyklen noch für die nächsten beiden Jahre mit positiven Beiträgen an das BIP-Wachstum. "Derzeit werden aber etwa 5'000 bis 6'000 Wohnungen pro Jahr zu viel produziert, was rund 10% der Neubautätigkeit ausmacht." Eine Korrektur erwartet der Experte dann in etwa drei Jahren - das werde dazu führen, dass der Wachstumsbeitrag des Immobiliensektors dann ausfallen werde.

NEUE WACHSTUMSTREIBER

Mit dem Immobilienzyklus und der Einwanderung verlören nun zwei zentrale Wachstumstreiber der vergangenen Jahre an Gewicht, stellen die CS-Experten fest. Damit stelle sich auch die Frage nach kommenden Treibern des Schweizer Wirtschaftswachstums: Als einen solchen zentralen Treiber identifizierte CS-Chefökonom Oliver Adler einen stärkeren Anstieg der Produktivität.

Besonderes Potenzial für Produktivitätsgewinne sehen die Spezialisten der Grossbank etwa im Bereich Gesundheitswesen und Bildung, aber auch in der Bauwirtschaft, dem Energiesektor und der Finanzindustrie. Einige dieser Bereiche seien geschützt, so Adler: "Eine Liberalisierung könnte zu Wachstumsschüben führen."

tp/cf

(AWP)