CS-Anlageausblick 2017: Spannungen verlangen hohe Diversifikation

Zürich (awp) - Die weltweite Wirtschaft sowie die Aktien- und Bondmärkte dürften im kommenden Jahr weiter von den bereits bestehenden politischen und sozialen Spannungen geprägt werden. Neben einem leicht beschleunigten globalem Wirtschaftswachstum rechnet die CS mit einem Anstieg der Inflation und einer etwas restriktiveren Geldpolitik. Für die Anleger ergebe sich jedoch durch die grundlegenden Gegensätze ein unsicheres Umfeld.
01.12.2016 14:23

Damit dürfte die Lage an den Finanzmärkten weiter schwierig bleiben, lautet das Fazit der Prognosen der Credit Suisse für 2017, welche die Bank am Donnerstag an einer Medienveranstaltung in Zürich präsentiert hat. "Auch im kommenden Jahr dürften politische Ereignisse Marktturbulenzen auslösen," sagte CS Global Chief Investment Officer Michael Strobaek. Marktkorrekturen dürften allerdings auch punktuelle Anlagechancen bieten, die die Anleger nutzen sollten. "Die grösste Herausforderung besteht darin, Rendite in Verbindung mit einem angemessenen Risiko zu erzielen."

LEICHT HÖHERES WIRTSCHATWACHSTUM - STEIGENDE ZINSEN

Weltweit rechnen die Investment-Spezialisten der CS mit einem leicht steigenden Wirtschaftswachstum auf 3,4% von derzeit 3,1%. Dabei werden jedoch deutliche Unterschiede zwischen Ländern und Regionen gesehen. Insgesamt wird eine Erholung bei den Unternehmensinvestitionen und eine weiterhin solide Konsumentennachfrage erwartet.

Die Inflation wird in vielen Industrieländern - ausgenommen USA - weiter unter den Zielwerten der Notenbanken erwartet. "Von der Fed erwarten wir neben einer Anhebung der Zinsen im Dezember um 25 Basispunkte im kommenden Jahr zwei weitere Zinsschritte, sagte die Anlagechefin Schweiz, Anja Hochberg. "Die EZB wird eher ein Überschiessen riskieren, als ein zu schnelles Anziehen der geldpolitischen Zügel", so Hochberg weiter. Aufgrund der anhaltenden Überbewertung des Franken rechnet sie bis 2020 nicht mit einer Zinsanhebung durch die SNB.

"Schweizer Aktien ist der Vorzug gegenüber Schweizer Anleihen zu geben", sagte Hochberg, "insbesondere aus der Pharma- und der IT-Branche". Positiv ist sie für breit diversifizierte Schwellenländeranleihen in Hartwährung eingestellt. Insbesondere in den USA sei auch das Thema infrastrukturorientierte Aktien interessant, vor allem mit Blick auf die steigende politische Bereitschaft zu einer fiskalischen Expansion. Zudem wird ein weiter an Boden gewinnender Dollar erwartet.

Selden standen politische Themen derart im Fokus eines Anlageausblicks wie in diesem Jahr. Brexit, die Wahlen in Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr und die Aussen-, Sicherheits- und Handelspolitik der neuen US-Regierung werden als Themen genannt. Europaweite Risikowerte, also Anleihen und Aktien, seien von einem Anstieg der politischen Risiken besonders betroffen.

GENERATIONENKONFLIKTE

Überschrieben ist der Anlagereport der CS mit dem Titel "Generationenkonflikte", unter dem die Anlagestrategen die Gegensätze subsumieren, die sich etwa bei den Themen Wohlstandsverteilung, Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, Migration oder Alterspyramide ergeben. In diesem Spannungsfeld verortet Strobaek auch die Gründe für die überraschenden politischen Entscheidungen wie Brexit oder die Wahl von Donald Trump im laufenden Jahr.

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(AWP)