CS erhöht BIP-Prognose für 2016 auf +1,5% - 2017 keine Beschleunigung

(Mit Angaben von der Medienkonferenz ergänzt)
19.09.2016 13:52

Zürich (awp) - Die Ökonomen der Grossbank Credit Suisse sehen den Verlauf der Schweizer Konjunktur etwas optimistischer als zuletzt und haben ihre Wachstumsprognose für 2016 angehoben. Im nächsten Jahr rechnen sie aber nicht mit einer weiteren Beschleunigung.

Die CS-Experten schätzen das BIP-Wachstum im laufenden Jahr nun auf 1,5% statt 1,0%. Oliver Adler, Leiter Economic Research, begründete dies am Montag mit den Anfang Monat veröffentlichten Zahlen zur BIP-Entwicklung im ersten Halbjahr. "Diese waren etwas stärker als erwartet", sagte er.

Er betonte zugleich, dass die sehr guten Werte für das zweite Quartal wegen eines statistischen Effekts "überzeichnet" gewesen seien. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir unsere Prognose nochmals hochnehmen müssen", betonte Adler daher. Vor der CS hatten bereits die SNB und die Prognostiker von BAK Basel die Vorhersagen für 2016 erhöht; am (morgigen) Dienstag wird das Seco seine aktualisierte Prognose veröffentlichen.

KEIN REALLOHNZUWACHS

Für 2017 bleiben die CS-Ökonomen bei ihrer bisherigen Vorhersage von +1,5%. Diese "langweilige Prognose" begründete Adler unter anderem mit Spätfolgen des Frankenschocks. So sei beim Konsum mit einem unterdurchschnittlichen Plus von 1,0% zu rechnen. Bislang hätten die Konsumenten in gewissem Sinne vom Frankenschock profitiert, weil die Löhne nach wie vor gestiegen und die Preise gleichzeitig gesunken seien. "Dies ändert sich nun", so Adler.

So sei nur noch mit einem nominalen Lohnplus von 0,5% zu rechnen, weil die Unternehmen wegen der gesunkenen Margen und Gewinne stärker auf ihre Kosten achteten. Weil gleichzeitig die Teuerung mit 0,5% erstmals seit fünf Jahren wieder positiv sein dürfte, resultiere unter dem Strich kein Reallohnzuwachs.

GERINGERE ZUWANDERUNG DÄMPFT

Gedämpft werde der Konsum ausserdem durch die mutmasslich geringere Zuwanderung. Und auch vom Arbeitsmarkt gibt es negative Signale: Zwar rechnen die Analysten der Grossbank nicht mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote; diese wird unverändert bei 3,3% gesehen. Es gebe aber einen Trend zu Teilzeitarbeit, weil die Unternehmen beim Schaffen von neuen Jobs zögerten, so der CS-Forschungsleiter.

Positive Impulse für die Konjunktur erwarten die Ökonomen hingegen von den Ausrüstungsinvestitionen, wo es ein gewisses Nachholpotenzial gebe, sowie vom Aussenhandel. Bei letzerem sei das Bild jedoch "sehr unausgeglichen". Pharma gehe es gut, der Industrie etwas besser, der Uhrenbranche jedoch unverändert schlecht.

Insgesamt sei die Prognose mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, hiess es weiter. Die Weltwirtschaft gewinne nur leicht an Fahrt. Gerade für die Eurozone seien Prognosen derzeit schwierig - auch wegen des nun anstehenden Verfassungs-Referendums in Italien.

KEINE NORMALISIERUNG DER GELDPOLITIK

Bei den Zinsen erwarten die CS-Ökonomen im nächsten Jahr keine Veränderungen. "Es würde uns überraschen, sollte die SNB einen Schritt in Richtung 'Normalisierung' machen", so Adler. Der Grund sei die Europäische Zentralbank, welche ihre expansive Geldpolitik wohl mindestens bis Ende 2017 fortsetzen werde. Eine Zinserhöhung in der Schweiz scheine daher "sehr unwahrscheinlich" - ausser die US-Notenbank würde überraschend starke Erhöhungen vornehmen.

rw/uh

(AWP)