CS sieht Anlagechancen derzeit mehr im europäischen als im US-Aktienmarkt

Die synchrone Erholung der Weltwirtschaft dürfte nach Ansicht der Credit Suisse auch in der zweiten Jahreshälfte 2017 und bis ins Jahr 2018 anhalten und damit weiterhin der Treiber für die globalen Finanzmärkte bleiben. Nach den Wahlen in Frankreich, deren Ausgang Unsicherheiten von den europäischen Märkten genommen hat, rückt nun für die CS vermehrt die Eurozone in den Fokus der ihrer Anlagestrategie. Dagegen hat der US-Markt für die Bank etwas an Attraktivität verloren.
31.05.2017 13:01

"Zu Jahresanfang bereitete uns vor allem Europa angesichts der damals anstehenden Wahlen in vielen Ländern Sorge", sagte Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer, anlässlich einer Pressekonferenz zum Anlageausblick am Mittwoch. Nachdem die politischen Unsicherheiten in der Eurozone nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich nachgelassen hätten, wende sich der Fokus nun wieder der robusten Erholung vieler Volkswirtschaften in der Eurozone zu, so der Experte. Die Eurozone sei denn auch neben der Schweiz und Kanada die Top-Region unter den Aktienmärkten.

UNSICHERHEITEN IN USA GESTIEGEN

Dagegen hätten sich die politischen Unsicherheiten in den USA erhöht, führte Strobaek weiter aus. Im Zusammenhang mit der Politik von Präsident Donald Trump gebe es grosse Fragezeichen. Pessimistisch für die US-Wirtschaft ist der Experte dennoch nicht. Dort sei - unabhängig von Trump - ein positiver Trend in den Kapitalausgaben bemerkbar. Sollte Trump sein fiskalpolitisches Programm umsetzten können, dann dürfte dies die Kapitalausgaben zusätzlich stimulieren und die Märkte antreiben.

Dennoch haben die CS-Strategen gegenüber dem US-Aktienmarkt eine vorsichtigere Haltung eingenommen, einerseits wegen der zugenommenen politischen Unsicherheiten und anderseits wegen den bereits hohen Bewertungen. Nach der starken Outperformance im bisherigen Jahresverlauf dürften nach Ansicht der CS auch die Aktienmärkte in den Schwellenländern mit etwas Gegenwind zu kämpfen haben.

Insgesamt seien die Aktienmärkte trotz robuster Gewinnentwicklung der Unternehmen überbewertet, meinte Strobaek. Deshalb empfehlen die Strategen den Anlegern in einem ausbalancierten Portefeuille nicht mehr als 45% in Aktien zu halten. Kurspotenzial ortet die CS in Aktien aus dem Gesundheitswesen, Energietiteln sowie in Immobilienvaloren aufgrund der hohen Dividendenzahlungen.

Den Anleihenmarkt sieht Strobaek nach wie vor im Seitwärtstrend. Unternehmensanleihen höherer Bonität aufgrund von Spreadvorteil bevorzugen. Finanzanleihen werden dabei übergewichtet.

ROHSTOFFE UND ALERNATIVE ANLAGEN ÜBERGEWICHTEN

Bei den Rohstoffen sieht die CS einen Rückgang des Überangebots und eine anziehende Nachfrage. Öl und Energie werden nach wie vor übergewichtet. Die Ölproduktion erholt sich zwar, aber die Volumen seien nicht genug hoch, um das Gesamtbild zu ändern, argumentieren die CS-Experten. Gold wird dagegen aufgrund des Risikos steigender Zinsen untergewichtet.

Alternative Hedge Funds können gemäss Strobaek im gegenwärtigen Umfeld erhöhter Unsicherheit bei der Portfoliodiversifikation helfen. Entsprechend empfiehlt er ein Übergewichtung in dieser Anlagekategorie. Das gleich rät er bei gelisteten Immobilien, und zwar aufgrund der hohen Dividenden, die diese Gesellschaften ausschütten.

"SUPERTRENDS"

Neben dem kurzfristigen Ausblick präsentierte die CS auch fünf langfristige Anlagenthemen, die sie "Supertrends" bezeichnet. Diese Themen würden auf der "Credit Suisse House View" basieren und die Entwicklungen in Politik, Demografie und Technologie mit spezifischen Anlagechancen verknüpfen, Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin Investment Strategy & Research.

Angesichts der derzeit hohen Bewertungen und niedrigen Renditen vieler Vermögenswerte bieten sich für Anleger thematische Investments als sinnvolle Alternative an. Die fünf Themen sind Unzufriedene Gesellschaften, Infrastruktur, Technologie im Dienst der Menschheit, Silver Economy und Werte der Millenials.

AKTIEN VON RÜSTUNGSUNTERNEHMEN

Als problematisch für die CS erweisen könnte sich dabei, dass man beim Anlagethema "Unzufriedene Gesellschaften" ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit ortet, was nicht zuletzt in steigenden Rüstungsausgaben vieler Staaten sichtbar ist. Entsprechend haben Aktien von Rüstungsunternehmen Kurspotenzial. Die CS empfehle aber keine Rüstungsaktien, erklärte Strobaek. Ihr Fokus liege auf Unternehmen, die im Bereich der zivilen Sicherheit aktiv seien.

sig/ra

(AWP)