Dämpfer für deutsche Exportwirtschaft im Dezember - Kalendereffekt

(Ausführliche Fassung) - Die deutschen Exporte haben Ende 2016 einen überraschend starken Dämpfer erhalten. Kalender- und saisonbereinigt seien die Ausfuhren im Dezember gegenüber dem Vormonat um 3,3 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet. Experten erklärten den Rückgang im Monatsvergleich mit der vergleichsweise schwachen Konjunktur in Schwellenländern und einem Kalendereffekt, der die Daten verzerrt habe.
09.02.2017 10:07

Im Jahresvergleich zeigte sich allerdings ein deutlich besseres Bild. In dieser Abgrenzung stiegen die Exporte im Dezember um 6,3 Prozent. Wenig Bewegung gab es hingegen bei den Einfuhren, die sich im Dezember im Monatsvergleich nicht verändert haben. Hier war ein Minus von 1,1 Prozent erwartet worden. Die Importe lagen um 7,4 Prozent über dem Vorjahreswert.

Unterm Strich erzielte die deutsche Exportwirtschaft im Dezember einen Überschuss von 18,7 Milliarden Euro, der ebenfalls überraschend niedrig ausfiel. Volkswirte hatten ein Plus von 20,5 Milliarden Euro erwartet, nach einem Überschuss von 22,7 Milliarden Euro im November.

Die Handelsdaten für Dezember zeigen, dass die Krise in den Schwellenländern für viele Unternehmen schwer wiege, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Nach seiner Einschätzung deuten global anziehende Konjunkturfrühindikatoren zwar auf eine Besserung der Lage hin. Dennoch blieb der Experte skeptisch: "Die Aussenhandelspolitik von Donald Trump verdüstert derzeit den Exporthorizont erneut", sagte Gitzel.

BayernLB-Expertin Christiane von Berg blickte hingegen optimistischer auf die weitere Entwicklung. Ihrer Einschätzung noch sollten die enttäuschenden Exportdaten nicht überinterpretiert werden. Im Dezember seien die Exporte durch einen "negativen Kalendereffekt" ausgebremst worden. Im Dezember dürften viele Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit urlaubsbedingt reduziert haben, sagte die BayernLB-Expertin. "Da diese Kürzungen von der statistischen Kalenderbereinigung nicht vollständig aufgefangen werden, ist das Dezember-Ergebnis nach unten verzerrt."

Für die kommenden Monate rechnet Expertin von Berg wieder mit besseren Geschäften: "Angesichts der positiven Entwicklung der Frühindikatoren dürfte sich in der kurzen Frist wieder eine Belebung der Aussenhandelsdaten einstellen." Mittelfristig wollte aber auch die BayernLB-Expertin Belastungen durch den Brexit und durch Massnahmen der US-Administration unter Donald Trump nicht ausschliessen.

Für das Gesamtjahr 2016 konnte das Bundesamt dagegen einen neuen Rekord melden. Im Jahresvergleich seien die deutschen Exporte um 1,2 Prozent gestiegen, hiess es in der Mitteilung. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr Waren in einem Volumen von 1,207 Billionen Euro exportiert, so viel wie noch nie.

In der deutschen Handelsbilanz gab es 2016 einen Überschuss von 252,9 Milliarden Euro. Damit wurde hier ebenfalls ein neuer Rekordwert erreicht./jkr/jsl/fbr

(AWP)