Der deutsche Wachstumsmotor Industrie schwächelt

(Ausführliche Fassung)
07.07.2016 10:05

WIESBADEN (awp international) - Der verlässlichste Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft schwächelt. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands ist überraschend geschrumpft. Die Herstellung habe im Mai 1,3 Prozent unter dem Niveau des Vormonats gelegen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Herstellung innerhalb der Industrie, eines grossen Teilbereichs des Produzierenden Gewerbes, verringerte sich um 1,8 Prozent. Verantwortlich ist vor allem eine Schwäche bei den Autobauern.

Der Anstieg der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im Vormonat April wurde zudem von zunächst 0,8 Prozent auf 0,5 Prozent nach unten korrigiert. Bankvolkswirte hatten im Mai anstatt eines Produktionsrückgangs einen leichten Zuwachs erwartet. Die Zahlen bestätigen laut Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank Ing-Diba, dass die Binnenwirtschaft boome, während die ehemaligen Wachstumslokomotiven Exportwirtschaft und Industrie enttäuschten.

AUTOBAUER SCHWÄCHELN

"Dabei sticht der wichtige Automobilsektor mit einer um etwa 7,5 Prozent niedrigeren Produktion heraus", schreibt Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank. Zumindest teilweise sei der Rückgang auf ungewöhnlich viele Feier- und Brückentage im Mai zurückzuführen.

Investitionsgüter wurden 3,9 Prozent weniger produziert als im Vormonat. Die Herstellung von Konsumgütern lag dagegen 0,5 Prozent höher. Die Produktion von Vorleistungsgütern ging um 0,3 Prozent zurück. Die üblicherweise stark schwankende Energieerzeugung ist um 3,9 Prozent gestiegen.

EXPERTE: KAUM WACHSTUM IM ZWEITEN QUARTAL

Eine Schwäche gab es auch bei der Bauproduktion, die um 0,9 Prozent sank. Dies stehe im Kontrast zu dem weit verbreiteten Bild von einem stets boomenden Immobiliensektor in Deutschland, sagte Ing-Diba-Ökonom Brzeski.

Experte Solveen sieht in den Daten einen weiteren Beleg dafür, dass die deutsche Wirtschaft nach dem starken Jahresbeginn wieder deutlich an Fahrt verloren hat. "Im zweiten Quartal dürfte sie kaum gewachsen sein."/tos/bgf/stb

(AWP)